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Tonart | Beitrag vom 26.03.2019

Geschichten über "Verbotene Lieder"Giftkammern – wo man keine erwartet

Pal Moddi Knutsen im Gespräch mit Oliver Schwesig

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Die Sängerin Billie Holiday (imago stock&people, Copyright:  William P. Gottlieb)
Die Plattenfirma Columbia Records weigerte sich einst, „Strange Fruit“ von der Sängerin Billy Holiday aufzunehmen. (imago stock&people, Copyright: William P. Gottlieb)

Der norwegische Singersongwriter Pal Moddi Knudsen hat weltweit die Geschichten hinter der Zensur von Songs erforscht. Dabei stieß er auf Orte, an denen verbotene Songs existieren, wo man es nicht gleich erwartet hätte.

Am Anfang hatte Pal Moddi Knutsen zunächst die Idee, so genannte "Unsongs" einzuspielen, also verbotene Songs. Die gab er 2017 heraus. Darunter waren Songs von Pussy Riot (verboten in Russland) oder etwa "Strange Fruit" von der afroamerikanischen Sängerin Billy Holiday, die damit 1939 gegen Lynchmorde in den Südstaaten der USA protestierte und wo sich dann ihre Plattenfirma Columbia Records weigerte, es aufzunehmen. 

Weil Moddi bei dieser Suche nach Songs und deren Aufnahme auch die Geschichte dieser Songs breiter und ausführlicher habe erzählen wollen, schrieb er nun das Buch wie er im Deutschlandfunk Kultur erzählt:

"Nachdem die Platte veröffentlicht war, habe ich gefühlt, dass es die Geschichten hinter den Songs verdienten, in Tiefe erzählt zu werden." Er sei dann in ganz verschiedene Länder wie etwa Chile, Mexiko, Russland oder Vietnam gereist, allerdings auch in die USA, nach England oder Norwegen, "um verbotene Musiker zu treffen". Und dabei habe er Geschichten und Gesichter einsammeln wollen. "Ich habe versucht, Zensur zu portraitieren." 

Im Westen trage Zensur ein anderes Gesicht

Moddi erzählt, dass er auf seinen Reisen und bei seinen Recherchen auf ganz unterschiedliche Formen von Zensur gestoßen sei: "Zensur kann sehr viel sein: Hier gibt es Leute, die in den Gefängnissen sitzen, Leute, die ihre Familien verloren haben wegen der Musik, aber auch Lieder, die nur verschwunden sind - wie etwa "Army Dreamers" von Kate Bush, das während des Golfkrieges nicht in der BBC gespielt werden durfte.

Die BBC habe damals eine Liste mit 67 Liedern erstellt, die dort nicht gespielt werden durften, darunter waren auch Songs wie Aha "Something High and Low" oder Phil Collins "In the Air Tonight". Dies belege, dass es eben auch im Westen Zensur gebe, doch trage sie dort ein anderes Gesicht. 

(sru)

Moddi: "Verbotene Lieder. Zehn Geschichten von fünf Kontinenten"
Aus dem Norwegischen von Karoline Hippe und Günther Frauenlob
Edition Nautilus, Hamburg 2019, 240 Seiten, 20  Euro

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