Das Feature, vom 18.04.2014

Geschichte Zimmer Nummer 18.

Von Simone Trieder

"Warum sind Sie nicht vor 30 Jahren gekommen", fragt Olga Owczarek, "jetzt kann ich mich an vieles nicht mehr erinnern." Aber natürlich hat Olga das Wichtigste nicht vergessen: die Freundschaft im Gefängnis. Und die eine Nacht, die sie alle zusammen in einer Zelle in Moabit verbrachten.

Licht leuchtet in einer Zelle der Justizvollzugsanstalt Moabit in Berlin (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)
In Moabit haben sich auch Freundschaften entwickelt. (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

Sieben junge Polinnen, vom Reichsgericht wegen Spionage verurteilt. Und natürlich hat Olga nicht vergessen, wie sie sich fühlte, als sie begnadigt wurde. Nur sie, Wanda nicht, Monika nicht, und Krystyna auch nicht. Maria war auch dabei. Sie hatte acht Jahre verschärfte Haft - und immer Tagebuch geschrieben. Zwei deutsche Frauen, die Aufseherin Hedwig Grimpe und deren Tochter, haben im besten Sinne des Wortes auf die Polinnen aufgepasst, denn sie waren so jung, so lebenslustig, so mutig. Maria ist vor zwei Jahren gestorben. Ein paar Fragen konnte sie noch beantworten. Olga ist allein zurückgeblieben, die elegante Olga, Näherin bei Dior. Das Nähen hat sie in Moabit gelernt.

Produktion: DLF 2014