Freistil, vom 07.06.2020, 20:05 Uhr

Geschichte einer AbhängigkeitDer Fußball und ich

Mit sechs Jahren verliebte sie sich in den Fußball. Obwohl der damals für Mädchen und Frauen verboten war, kickte sie mit den Jungs auf der Straße. Heute, mit 59, spielt sie wieder im Verein. Es ist die längste Beziehung, die sie je hatte.

Fußball zieht Millionen Menschen in seinen Bann – unabhängig von Geschlecht, Alter, Bildungsstand und sozialer Herkunft (imago)
"Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten" wird Sepp Herberger viel und oft zitiert. (imago)

Samstagnachmittage in Kneipen, die sie normalerweise nicht betreten würde, nur um ihr Team, den BVB, verlieren zu sehen. Martina Keller lässt den 50. Geburtstag einer guten Freundin sausen für ein Champions-League-Finale. Manche Freunde sagen, sie hätten gern so eine Leidenschaft. Aber sie findet das nicht mehr lustig. Sie guckt Bundesliga, Zweite Liga, Pokal, Frauen-EM, Frauen-WM, Premier League, Primera División, Champions League, Europa League, Länderspiele. Gern auch mal U17, U19 oder Saisonvorbereitungsspiele des BVB. Wichtige Partien trägt sie im Kalender ein. Wäre ihr Freund wie sie - nicht auszuhalten.

„Ich bin ein weiblicher Nick Hornby. Nur bin ich nicht 35, sondern 59. Ich verarbeite nicht meine Spätpubertät, sondern bin reif für die vorgezogene Altersteilzeit.“ Sie will loskommen. Aber es gelingt ihr nicht. Sie spielt jetzt sogar wieder. Bei Union 03, Bezirksliga Hamburg West. Die jüngsten im Team könnten ihre Enkelinnen sein.

Der Fußball und ich
Geschichte einer Abhängigkeit
Von Martina Keller

Regie: Nicole Paulsen
Es sprachen: Irene Baumann, Marcus Michalski und die Autorin
Redaktion Dlf: Klaus Pilger
Produktion: SWR/BR/NDR 2019

Der Fußball und ich. Geschichte einer Abhängigkeit (PDF)

Der Fußball und ich. Geschichte einer Abhängigkeit (Textversion)

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