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Tonart | Beitrag vom 14.01.2019

Geschichte des polnischen JazzNeuer Staat - neue Musik

Wolf Kampmann im Gespräch mit Carsten Beyer

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Der Jazzer, Pianist und Filmmusiker Krzysztof Komeda Ende der 50er Jahre (picture alliance / dpa / Forum Wojciech Plewinski)
Einer, der dem polnischen Jazz zum Durchbruch verhalf: der Filmmusiker Krzysztof Komeda. (picture alliance / dpa / Forum Wojciech Plewinski)

Polen und der Jazz: Die Grundlagen dieser innigen Verbindung wurden schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg gelegt. Die Suche nach kultureller Identität traf auf die neue, aufregende Musik aus den USA. Später machten polnische Jazzer ebenda Karriere.

Der polnische Jazz hat eine starke nationale Färbung, die nicht nur von der einheimischen Folklore und Klassik geprägt ist, sondern auch von der Geschichte und den politischen Entwicklungen des Landes. Spätestens seit dem Pianisten und Filmkomponisten Krzysztof Komeda ist polnischer Jazz kein Geheimtipp mehr, Musiker wie Tomasz Stanko, Zbigniew Seifert oder in jüngerer Zeit die Band Skalpel haben dem Polski Jazz zu internationalem Ansehen verholfen.

Aber schon vor dem Zweiten Weltkrieg war der Jazz in unserem östlichen Nachbarland präsent. 1922 wurde in Paris die erste Jazz-Platte aufgenommen – und im selben Jahr gründeten sich auch die ersten polnischen Jazzorchester. Genau genommen war Polen das erste Land Europas, dessen Jazz schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein ganz eigenes Timbre hatte.

Polen als "komplett neuer Staat" sei in dieser Zeit auf der Suche nach kultureller Identität gewesen, analysierte der Jazz-Kenner Wolf Kampmann im Deutschlandfunk Kultur. Auch der Jazz war neu und "völlig unbelastet". "Insofern wurde er mit großer Freude gespielt."

Viele Musiker sammelten sich in der Anders-Armee

Musiker wie Henryk Wars, Henryk Gold, Jerzy Peterburski oder der Sänger Adam Aston wurden bekannt, weil sie eng mit der florierenden polnischen Filmindustrie verbunden waren. Ihre populäre Mischung aus Chicago-Jazz- und Swing-Motiven, Tango, Salonmusik und jüdischen Einflüssen wurde auf polnischen Labels wie Syrena Records oder Efte sogar ins Ausland exportiert.

Auch Plattenfirmen wie Columbia, Odeon oder Parlophon machten sich mit ihren polnischen Dependancen um den Jazz verdient. Anders als in Deutschland konnte sich der Jazz in Polen noch bis 1939 entfalten. Nach dem Einmarsch der Deutschen sei dann aber abrupt Schuss gewesen, berichtete Kampmann. Viele der Musiker sammelten sich in den Folgejahren in der sogenannten Anders-Armee, die die sowjetische Regierung aufgestellt hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machten polnische Jazz-Pioniere in den USA Karriere: Henrik Wars als Filmkomponist unter anderem für die TV-Serien "Flipper" und "Daktari", Henryk Gold über 13 Jahre als Leiter des Tanzorchesters im New Yorker Hotel Plaza.

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