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Musikfeuilleton | Beitrag vom 02.08.2019

Gesang und TränenDie Renaissance-Komponistin Barbara Strozzi

Von Katalin Fischer

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(Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister )
Zeitlebens unabhängig: Die Gambenspielerin Barbara Strozzi auf einem Gemälde von Bernardo Strozzi um 1640. (Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister )

Ihre Zeitgenossen rühmten sie vor allem als virtuose Sopranistin. Die venezianische Musikerin Barbara Strozzi gehört zu den wenigen Komponistinnen des 17. Jahrhunderts, deren Werke und Lebensumstände überliefert sind.

Barbara Strozzi wird im August 1619 als uneheliche Tochter des Adeligen Giulio Strozzi geboren. Er adoptiert sie, lässt sie aufs sorgfältigste erziehen und setzt sie als Alleinerbin ein. Strozzi ist Literat und Musikliebhaber, Mitglied einiger prominenter Akademien und befreundet mit vielen bedeutenden Künstlern. Barbara wird von den besten Musikern Venedigs unterrichtet und ihr Vater sorgt dafür, dass sie sogar ein eigenes Forum bekommt, wo sie ihre Talente präsentieren kann: eine Accademia.

Sängerin und Komponistin 

Die Beschäftigung mit Musik ist für eine Frau zu dieser Zeit nur im Badehaus, Bordell oder Kloster möglich. Doch Barbara Strozzi will ihre eigene Musik in die Welt setzen. Sie verweigert sich jedoch der Oper, will weder mitspielen noch welche komponieren. Ihre Musik ist von der Zierlichkeit der Renaissance geprägt, wenngleich sie schon eine Ahnung von der wagemutigen Sinnesfreude des Barock in sich trägt. Zu Anfang ihrer Karriere komponiert Barbara vor allem traditionell gebaute mehrstimmige Madrigale, wendet sich dann aber zunehmend der Solostimme zu – schreibt also für sich selbst. 

1664 wird Barbara Strozzis Name in Verbindung mit einem Spionageprozess erwähnt: Sie wird verdächtigt, dem französischen Spion Francois Gibrot zur Flucht verholfen zu haben. Sie hat Glück, wird für unschuldig befunden, doch ist es ein knappes Entkommen. Was sie nicht davon abhalten kann, weiterhin ihre Meinung kundzutun, unter anderem auch in ihrem musikalischen Werk.

Ihr Kühnheit ist gerechtfertigt

Als Barbara Strozzi 1644 ihr erstes Madrigalbuch herausgibt, folgt sie der herrschenden Mode übertriebener Bescheidenheit, indem sie schreibt, sie habe als Frau die allzu große Kühnheit besessen, ihr bescheidenes Werk zu veröffentlichen, und es seien ja auch nur schlecht komponierte Gesänge. Natürlich weiß sie, dass ihre Kühnheit gerechtfertigt und die Gesänge keineswegs schlecht komponiert sind. 

Barbara Strozzi veröffentlicht neun Sammlungen mit Drucken – andere Quellen sprechen von acht Büchern. Es sind Kantaten, Arien und Lamenti, nicht mitgezählt die zahlreichen Improvisationen, die im Lauf der Abende in der Accademia entstanden. Die Qualität ihrer Musik ist mit der ihrer Meister Monteverdi und Cavalli vergleichbar.

Zeitlebens unabhängig

Barbara Strozzi stirbt 1677 in Padua gut situiert und unspektakulär. Dass sie zeitlebens unabhängig blieb und ihre eigene Lebensvorstellung verwirklichen konnte, verdankte sie jedoch weniger ihrem musikalischen Talent, als vor allem ihrem finanziellen Geschick. Die Erinnerung an Barbara Strozzi wird neben ihrer musikalischen Qualität auch eng mit dem Thema der Liebe verwoben bleiben, von der die Texte in den meisten ihrer Kompositionen handeln.

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