Mittwoch, 21.04.2021
 

Thema / Archiv | Beitrag vom 26.03.2010

Gerichtsreporterin Friedrichsen: Beschuldigter Kachelmann bedient sich der Medien

"Spiegel"-Journalistin: Prominente und ihre Anwälte spielen ein gefährliches Spiel

TV-Wetterexperte Jörg Kachelmann und einer seiner Anwälte (Links) beim Amtsgericht in Mannheim. (AP)
TV-Wetterexperte Jörg Kachelmann und einer seiner Anwälte (Links) beim Amtsgericht in Mannheim. (AP)

Nicht Indiskretionen der Staatsanwaltschaft, sondern vor allem auch der Beschuldigte selbst haben im Fall des TV-Moderators Jörg Kachelmann zum großen Medienwirbel geführt. Diese Auffassung vertritt Gisela Friedrichsen, langjährige Gerichtsreporterin des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

Prominente und deren Anwälte bedienten sich oft bewusst und sehr geschickt der Medien, wenn sie ernsthaft mit der Justiz in Konflikt geraten seien, erklärte die Journalistin. Zunächst sei Wettermann Jörg Kachelmann, dem die Vergewaltigung seiner Lebensgefährtin vorgeworfen wird, in der "Bild"-Zeitung in desolater Verfassung abgebildet worden.

Friedrichsen: "Die Botschaft dieser Bilder war: Oh, der Mann ist in Schwierigkeiten. Nun kommt der Haftprüfungstermin. Und siehe da: Er tritt vor die Fernsehkameras: Frisch gewaschen, gekämmt, rasiert, lächelnd, entspannt. Im Vordergrund sein Anwalt, der ja auch aufs Bild möchte." Nun sei die Botschaft: "Ich bin im Recht, mir kann nichts passieren, es wird sich alles zum Guten wenden."

Stets verliefen solche Prominenten-Affären mit der Justiz nach einem ähnlichen Muster: Die Anwälte berieten ihre Mandanten gezielt, wie diese sich am besten in den Medien präsentierten und verklagten dann wiederum diese Medien, wenn sie Unliebsames veröffentlichten. Friedrichsen: "Jeder verdient in irgendeiner Weise daran. Aber wer sich auf dieses Parkett begibt, wer in dieser Branche arbeitet, der weiß, wie gefährlich es ist."


Das vollständige Gespräch mit Gisela Friedrichsen können Sie bis zum 26.8.2010 als
[url=http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/03/26/drk_20100326_1509_b07f9fc2.mp3
title="MP3-Audio" target="_blank"]MP3-Audio[/url] in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

Thema

Karl der GroßeKunstsinniger Barbar
Eine Figur Karls des Großen steht am 16.06.2014 in Aachen (Nordrhein-Westfalen) im Centre Charlemagne. Die Ausstellung "Karl der Große, Macht, Kunst, Schätze" ist vom 20.06.2014 bis zum 21.09.2014 in Aachen zu sehen.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Er war einer der Gründungsväter Europas: Karl der Große hat die karolingische Renaissance eingeleitet. Eigentlich sei es ihm aber nur um die Legitimierung seiner Macht gegangen, meint Kunsthistoriker Michael Imhof. Mehr

DDR-GeschichteSieg über den Ort des Grauens
Der ehemalige politische Gefangene Gilbert Furian in einer Gefängniszelle der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus vom Verein Menschenrechtszentrum in Cottbus (Brandenburg). (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Weil er in der DDR Interviews mit Punks publizierte, kam Gilbert Furian in den Cottbuser Knast. In der heutigen Gedenkstätte wird er nun in der Oper "Fidelio" mitsingen - um einen "großen Rucksack Bitterkeit" erleichtert.Mehr

Agenturfotos"Das ist sicher ein Aufbruch"
Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin des US-amerikanischen Internetkonzerns Facebook  (picture alliance / dpa / Foto: Jean-Christophe Bott)

Die Karrierefrau, die am Schreibtisch sitzt, oder das schamlose Zeigen von Terroropfern in Afrika - Sheryl Sandberg von Facebook und Pam Grossman von der Bildagentur Getty Image wollen solchen Klischeefotos etwas entgegensetzen. Sie haben die Datenbank "Lean In Collection" gegründet. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur