Seit 08:05 Uhr Kakadu

Sonntag, 21.07.2019
 
Seit 08:05 Uhr Kakadu

Kulturnachrichten

Samstag, 20. April 2019

Geplante Reform beim RAI als sexistisch verurteilt

In Italien gibt es Streit um eine geplante Reform des öffentlich-rechtlichen Senders Rai. Zwei neue Angebote sollen die bisherigen Filmprogramme "Rai Movie" und "Rai Premium" ersetzen. Dabei soll eines speziell auf Männer und eines auf Frauen ausgerichtet sein. Für die Gewerkschaft der Rai-Journalisten "USIGRai" ist die Unterteilung in Geschlechter inakzeptabel, wie der "Guardian" berichtet. Es bestehe die Gefahr, dass den "schlimmsten Klischees" Tür und Tor geöffnet werden. Das Netzwerk "Frauen gegen Gewalt" bezeichnet die Pläne als "grotesk" und "sexistisch". Die Quelle bei Rai, die der "Guardian" zitiert, nennt die Kontroverse dagegen "lächerlich". Fernsehsender, die ihr Programm vor allem auf Frauen ausrichten, gibt es auch in anderen Ländern. In Deutschland etwa sendet "Sixx", der zu ProSiebenSat1 gehört. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gibt es die Sendung "Frau TV" des WDR.

"Krimipreis"-Gewinnerin fordert Haltung in der Literatur

Krimi-Autorin Simone Buchholz hat von Kolleginnen und Kollegen mehr Haltung gefordert. Es sei einfach nicht mehr die Zeit für Künstler, "die Fresse zu halten", sagte sie dem "Main-Echo". Vielmehr sollte man die Stimme erheben, wo es nur gehe. Wer 100.000 Bücher verkaufe, dem hörten die Menschen zu, und dann hätten Autorin oder Autor eine gesellschaftliche Verantwortung. Denn: Man habe etwas zu verteidigen, und zwar "unsere offene, demokratische Gesellschaft". Wenn man das nicht tue, seien die Künstler doch die ersten, die platt gemacht würden, so Buchholz weiter. Sie betonte, gerade der Krimi sei das Genre, um Missstände aufzuzeigen: "In kaum einem anderen Genre kann man sagen: Hier brennt die Scheiße". Krimis müssten mit dem Finger auf die Bösen zeigen.

WJC fordert Widerstand gegen Neonazi-Treffen

Der Jüdische Weltkongress (WJC) hat zum Widerstand gegen Neonazi-Bewegungen in Europa aufgerufen. Anlass sind offenbar in mehreren europäischen Ländern für heute geplante Neonazi-Veranstaltungen zum 130. Geburtstag von Adolf Hitler. In der bulgarischen Hauptstadt Sofia soll den Angaben zufolge ein Treffen rechtsextremer Gruppierungen aus ganz Europa stattfinden. Der Vizepräsident des Weltkongresses, Singer, appellierte an den bulgarischen Innenminister, sich gegen die extremistische Versammlung auszusprechen. "Wir fordern Sie auf, dieses Ereignis entschieden zu verurteilen und alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, um zu verhindern, dass dieses abscheuliche Treffen (...) stattfindet", so Singer: "Bulgarien sollte nicht als legitimer Treffpunkt für diejenigen angesehen werden, die eine so hasserfüllte und destruktive Politik fördern wollen." Zugleich kündigte der WJC eine Kampagne in den Sozialen Medien an, mit der über die Verbreitung neonazistischen Gedankenguts in Europa informiert und zu Protest aufgerufen werden solle.

Hans Joas kritisiert Idealisierung der Klimaproteste

Der Sozialphilosoph und Religionssoziologe Hans Joas kann die Begeisterung für die Klimastreik-Bewegung "Fridays for Future" nicht ganz nachvollziehen. Man könne den kompromisslosen Idealismus, zu dem Jugendliche neigten, in Hinsicht auf die Motivationskraft begrüßen, sagte Joas dem Berliner "Tagesspiegel". "Man entkommt aber nicht der Frage, welche Kompromisse eingegangen werden müssen, damit die Forderungen friedlich und realistisch gelebt werden können." Ihn störe es, wenn die Demonstranten die Arbeitsplatzinteressen etwa in der Lausitz nicht genügend ernst zu nehmen schienen. Es liege in der Verantwortung von Politikern und allen Erwachsenen, den Jugendlichen das entgegenzuhalten. Joas kritisiert auch die Rolle der Medien bei "Fridays for Future". Sie sollten diese Klimaproteste nicht so idealisieren, wie es in derzeit geschehe. In der Begeisterung für Greta Thunberg sieht der Sozialphilosoph ein Charisma-Phänomen. Die 16-Jährige verkörpere mit ihrer Person "in einer unbedingten Weise eine Veränderungsnotwendigkeit", so der Wissenschaftler weiter. Es gebe in allen Gesellschaften spontane Phänomene, in denen aus "Charisma-Hunger" einzelne Figuren zu Charismatikern werden. Oft sei das nur für kurze Zeit.

Experte wirbt für spielerischen Umgang mit Literatur

Für einen spielerisch-kreativen Umgang mit Literatur hat sich der Leiter des Fontane-Archivs, Peer Trilcke, ausgesprochen. "Wir haben manchmal ein recht angestrengtes Verhältnis zur Literatur, so als wäre das Lesen ein Zwang", sagte er sagte er der "Frankfurter Rundschau". Lesen habe aber etwas sehr Spielerisches: Jeder könne etwa das Ende eines Romans zuerst lesen, Seiten überblättern oder ein Gedicht um- und weiterdichten. Literarische Texte seien "ein Angebot, mit der Sprache und der Imagination zu spielen, in andere Welten einzutauchen", so der Wissenschaftler. Dies sei auch in der Schule wichtig, fügte Trilcke hinzu. "Gerade bei Gedichten ist es entscheidend, den Schülerinnen die Möglichkeit zu geben, selbst in die Sprache zu finden, also das Gedicht zu etwas Eigenem zu machen." Wenn dabei Rap-Varianten oder Performances entstünden, "dann ist das nichts Verwerfliches, sondern eben lebendige Literatur".

Regierungsbeauftragter verteidigt hohe Spenden

Frankreichs Regierungsbeauftragter für Kulturgüter hat in der Debatte um hohe Spenden für den Wiederaufbau von Notre-Dame zu mehr Gelassenheit aufgerufen. "Man kann nicht schockiert sein von der Tatsache, dass die Menschen das Gefühl haben, dass Notre-Dame de Paris etwas ist, das die Seele Frankreichs ist", sagte Stéphane Bern dem Sender Franceinfo am Samstag. "Ich würde mir wünschen, dass man zwei Milliarden gibt, damit niemand mehr auf der Straße schlafen muss", betonte er. Gleichzeitig müsse man aber bedenken, dass Spenden eine freiwillige Angelegenheit sind. Er wies darauf hin, dass keiner der Großspender für Notre-Dame nach einem Spendenbeleg gefragt habe. "Es ist reine Philanthropie. Sie sind bewegt, von dem, was sie sehen", sagte Bern. In Frankreich gab es Diskussionen darüber, dass innerhalb kürzester Zeit immense Beträge für den Wiederaufbau der schwer beschädigten Kathedrale zusammengekommen waren, Hilfsprojekte aber um jeden Euro kämpfen müssen. Den Milliardärsfamilien wurde vorgeworfen, mit ihren Spenden bei der Steuer profitieren zu wollen, da diese sich absetzen lassen.

Polanski klagt auf Wiederaufnahme in Filmakademie

Der umstrittene Regisseur Roman Polanski dringt auf eine Wiederaufnahme in die für die Oscar-Vergabe zuständige Filmakademie. Am Freitag bat der 85-Jährige ein Gericht in Los Angeles, bei der Academy of Motion Picture Arts and Sciences seine Rückkehr als vollberechtigtes Mitglied durchzusetzen. Im Mai hatte die Filmakademie in einem ungewöhnlichen Schritt sowohl Polanski als auch den Entertainer Bill Cosby wegen sexuellen Fehlverhaltens ausgeschlossen. Monate zuvor hatte sie schon die Mitgliedschaft des gefallenen Filmmoguls Harvey Weinstein beendet. Polanksi ist nach wie vor flüchtig, nachdem er sich 1977 schuldig bekannte, Sex mit einer Minderjährigen gehabt zu haben. Im Jahr darauf verließ er die USA, seitdem lebt er in Europa.

Gedenkkonzert "Die Asche von Buchenwald" in Weimar

Die 7. Bach-Biennale Weimar erinnerte am Karfreitag an die 3500 Buchenwald-Häftlinge, die zwischen 1937 und 1940 im städtischen Krematorium eingeäschert wurden. Unter dem Titel "Die Asche von Buchenwald" wurde das Gedenkkonzert im Beisein von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow aufgeführt. Er sprach von einer "Ambivalenz zwischen Hochkultur und Untergang" in der Klassikerstadt. Gerade in Weimar könne es kein bequemes Tabu, kein Wegducken, kein Verstecken und keinen Schlussstrich geben – auch wenn es immer wieder Menschen gebe, die dies fordern.

Falsche Spendenaufrufe für Notre-Dame

Wegen falscher Spendenaufrufe für den Wiederaufbau von Notre-Dame hat die Pariser Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eingeleitet. Man ermittle wegen organisierten Bandenbetrugs, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Zuvor hat die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine Anzeige erstattet, weil Unbekannte in ihrem Namen Spenden sammeln würden. Die Stiftung hatte bereits kurz nach dem Brand eine Sammlung für den Wiederaufbau gestartet. Die Staatsanwaltschaft rief zur Wachsamkeit auf. Unbekannte würden versuchen, per E-Mail und Telefon Spenden einzutreiben und ihre Opfer dazu aufrufen, das Geld per Überweisung auf ihr Bankkonto zu überweisen. Auch das Innenministerium hatte schon vor Betrügern gewarnt und auf die offizielle Internetseite der Regierung verwiesen.

Neues Museum im jordanischen Petra eröffnet

In der jordanischen Nabatäerstadt Petra ist von dem Kronprinz Hussein bin Abdullah ein neues Museum eröffnet worden. Anlässlich des Welterbetages am Donnerstag würden rund 300 Artefakte von der Steinzeit an gezeigt, heißt es in einer Mitteilung des Königshauses. Das "Petra Museum" stelle ein Wahrzeichen der kulturellen, sozialen und touristischen Entwicklung in der Region dar. Der Kronprinz wies auf die Notwendigkeit hin, die archäologischen und historischen Stätten des Landes zu erhalten. Ziel des Museums sei es, das kulturelle Erbe der Nabatäerstadt zu fördern, die 2007 auf die Liste der "sieben neuen Weltwunder" gewählt wurde. Der Bau am Eingang zum archäologischen Park von Petra erstreckt sich über 1.800 Quadratmeter und umfasst acht Ausstellungsräume einschließlich 22 interaktiven Stationen. Der umgerechnet 6,2 Millionen Euro teurer Bau wurde laut der "Jordan Times" durch die staatliche japanische Entwicklungsagentur finanziert.

Ritterorden für Michel Houellebecq

Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq ist in die französische Ehrenlegion aufgenommen worden. Staatschef Macron verlieh ihm den Orden eines Ritters der "Légion d'honneur", wie der Elysée-Palast mitteilte. Unter den Gästen der Zeremonie war auch der frühere Staatschef Nicolas Sarkozy. Houellebecq ist einer der erfolgreichsten und international bekanntesten Schriftsteller Frankreichs - und zugleich einer der polemischsten. Sein neuestes Buch "Serotonin" kam im Januar in den Handel. Der düstere Roman über die Hoffnungslosigkeit in ländlichen Regionen Frankreichs schien die Proteste der "Gelbwesten" vorwegzunehmen.

Kulturnachrichten hören

April 2020
MO DI MI DO FR SA SO
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 1 2 3

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur