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Buchkritik | Beitrag vom 18.12.2018

George R. R. Martin: „Nightflyers”Geisterschiff im Weltall

Von Marten Hahn

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Warum der Penhaligon-Verlag das Büchlein ausgerechnet jetzt veröffentlicht? Die Antwort prangt auf dem Cover: "Eine Netflix Originalserie". (imago; Penhaligon)
Warum der Penhaligon-Verlag das Büchlein ausgerechnet jetzt veröffentlicht? Die Antwort prangt auf dem Cover: „Eine Netflix Originalserie“. (imago; Penhaligon)

Die Netflix-Serie „Nightflyers“ basiert auf einem alten Roman von „Game of Thrones“-Autor George R. R. Martin, in dem Horror auf Science-Fiction trifft – und der jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erscheint. Kann das Buch vom Streaming-Hype profitieren?

Selbst wer sonst Abstand zu Büchern voller Drachen, Rittern und Königinnen hält, kann mit dem Namen George R. R. Martin etwas anfangen. Der Erfolg der TV-Serie "Game of Thrones" hat den US-Autor über die Grenzen des Fantasy-Genres hinaus weltberühmt gemacht. Dass Martin zu Beginn seiner Karriere vor allem Science-Fiction- und Horror-Geschichten geschrieben hat, dürften jedoch die wenigsten der GoT-Fans wissen.

Im Jahr 1980 veröffentlichte Martin "Nightflyers" - nach eigener Aussage als Reaktion auf die Aussage eines Kritikers, Scifi und Horror seien unvereinbar.

"Als lebenslanger Fan von beidem hielt ich diese Aussage für Schwachsinn, also machte ich mich daran, das Ganze zu widerlegen, indem ich die beiden Genres mixte", so Martin auf seinem Blog. Die Novelle ist nun erstmals außerhalb einer Anthologie auf Deutsch und mit Illustrationen von David Palumbo erschienen.

Auf der Suche nach einer rätselhaften Alienrasse

Martin bringt in seinem Hybrid Geisterschiff-Atmosphäre und bösartige Künstliche Intelligenz zusammen. Eine Gruppe von Wissenschaftlern macht sich an Bord des kleinen Raumschiffs Nightflyer auf die Suche nach einer rätselhaften Alienrasse namens Volcryn.

Dass der Kapitän des Schiffs nie persönlich erscheint, sondern immer nur als Hologramm mit am Tisch sitzt, beunruhigt das Team. Als die Forscher dann nacheinander brutal umkommen, wird klar: Mit dem Schiff stimmt etwas nicht. HAL 9000 lässt grüßen.

Die intime Kulisse funktioniert. Die Grenzen zwischen Horror und Science-Fiction verschwimmen. Es wächst zusammen, was zusammen gehört.

Nur leider merkt man der Novelle an, dass sie mittlerweile knapp 40 Jahre auf dem Buckel hat: Die Sprache wirkt veraltet und wurde auch in der Übersetzung nicht entstaubt. Der Kapitän will sich nicht "persönlich zu uns gesellen." Der Team-Chef gibt zu, "dass ich vor Eifer gebrannt habe." Und Martin würzt das Zusammenleben auf engem Raum mit einer Prise Erotik, die sich vor allem plump im Blick auf die weiblichen Crewmitglieder manifestiert.

"Zusammenarbeit mit Streamingdiensten wächst"

Warum der Penhaligon-Verlag das Büchlein ausgerechnet jetzt veröffentlicht? Die Antwort prangt auf dem Cover: "Eine Netflix Originalserie". Gemeinsam mit dem US-Sender Syfy hat das Streaming-Portal eine zehnteilige Serie produziert, die lose auf George R. R. Martins Stoff basiert. Dass beides nahezu parallel veröffentlicht wird, ist kein Zufall. "Die Zusammenarbeit mit Streamingdiensten wächst", sagt Penhaligon-Lektorin Beatrice Lampe. "Auf der Buchmesse treffen wir uns neuerdings auch mit Netflix & Co."

Bewegte Bilder haben als Massenmedium längst über das geschriebene Wort gewonnen. Statt Netflix als Konkurrenz zu sehen, versuchen die Verlage deswegen die Wellen zu reiten, die TV-Produktionen wie "Nightflyers" anschieben. "Jede Adaption - egal ob im Kino, im TV oder bei Streamingdiensten - ist ein Grund zur Freude", so Lampe. So werde nicht nur zusätzliche Aufmerksamkeit beim Leser erzeugt, sondern es sei auch einfacher, "ein Buch schon vor Erscheinen im Handel und auf Plattformen unterzubringen."

George R. R. Martin: "Nightflyers"
Aus dem Amerikanischen von Maike Würz
Penhaligon, München 2018
208 Seiten, 10 Euro

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