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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.02.2017

Genitalverstümmelung in DeutschlandNull Toleranz – und ein "Kontakt auf Augenhöhe"

Isabelle Ihring im Gespräch mit Anke Schaefer

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Das Messer einer früheren Beschneiderin liegt bei einer Informationsveranstaltung in Dakar, Senegal, auf dem Tisch (Foto vom 24.4.2002). Das Beschneidungsritual ist seit 1999 im Senegal verboten, wird aber vor allem auf dem Land heimlich weiter ausgeführt. (picture alliance / dpa / Wolfgang Langenstrassen)
Mit diesem Messer wurden im Senegal viele Frauen beschnitten (picture alliance / dpa / Wolfgang Langenstrassen)

Heute ist der Internationale Tag gegen Genitalverstümmelung. Wer etwas für die potenziell betroffenen Frauen tun will, muss intensiven Kontakt zu deren Familien suchen, sagt die Pädagogin Isabelle Ihring.

Nach Schätzungen gibt es eine halbe Millionen Frauen in der Europäischen Union, die beschnitten worden sind, rund 180.000 sind gefährdet, ihnen steht das blutige Ritual möglicherweise bevor.

Der Internationale Tag gegen Genitalverstümmelung wird heute deutschlandweit mit vielen Aktionen und "null Toleranz" begangen. Die Bundesregierung war schon vor rund zwei Monaten aktiv - sie will junge Frauen besser vor Genitalverstümmelung im Ausland schützen.

Nach ihren Erkenntnissen werden junge Frauen oft von Angehörigen ins Ausland gebracht, um den Eingriff dann dort vorzunehmen zu lassen. Das Kabinett beschloss deswegen eine Gesetzesänderung, nach der der Begleitperson in einem solchen Fall der Pass entzogen werden soll.

Ärzte sind "nicht gut genug informiert"

Ist das hilfreich? Isabelle Ihring von der Pädagogischen Hochschule Freiburg sagt ja - aber nur bei gleichzeitig intensivem Kontakt zu den hauptsächlich afrikanischen Familien. Ihring hat in einem Forschungsprojekt zum Thema mitgearbeitet. Man müsse wissen, wie man die "sensible Thematik" anspricht, sagte sie im Deutschlandradio Kultur. Denn es gehe hier um eine Sache, "die Zeit braucht, dei viele Gespräche braucht, die Offenheit braucht und die vor allen Dingen Vertrauen braucht, und immer im Kontakt auf Augenhöhe, und nicht mit dem Zeigefinger".

Die deutsche Gesellschaft hat sich nach Ihrings Ansicht bisher zu wenig mit der Thematik befasst, beschnittene Frauen hätten zudem Probleme, einen Arzt zu finden, der bei der Nachsorge und Komplikationen hilft: Die Mediziner seien "nicht gut genug informiert", so Ihring.

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