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Kompressor | Beitrag vom 26.08.2020

Genderneutrale Filmpreise bei der Berlinale"Ein sehr unfairer Wettbewerb"

Barbara Rohm im Gespräch mit Massimo Maio

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Schauspielerin Paula Beer steht mit ihrem Preis "Silberner Bär" in der Kategorie "Beste Darstellerin" vor dem Berlinale Palast und strahlt. (picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB)
Bei der diesjährigen Berlinale konnte sich Paula Beer über die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin freuen. Aber wie viele Frauen werden in Zukunft Preise gewinnen, wenn sie geschlechtsneutral vergeben werden? (picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB)

Die Berlinale will ab dem kommenden Jahr genderneutrale Auszeichnungen vergeben. Keine gute Idee in einer Filmbranche, in der zwei Drittel der Rollen für Männer geschrieben seien, findet Barbara Rohm, die Vorsitzende von Pro Quote Film.

Einen Preis für die beste Hauptdarstellerin und einen für den besten Hauptdarsteller wird es bei der Berlinale 2021 nicht mehr geben: Das Filmfestival will ab kommendem Jahr genderneutrale Auszeichnungen vergeben, also zum Beispiel einen Preis für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle. Doch für diese Plänen gibt es Kritik, unter anderem von dem Verein "Pro Quote Film".

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Mit einem genderneutralen Preis werde der dritte oder vierte Schritt vor dem ersten getan, betont Barbara Rohm, die Vorsitzende von "Pro Quote Film". Die Filmbranche sei noch lange nicht gleichberechtigt. "Wir haben auch keine Filmbranche, in der Gendervielfalt abgebildet wird."

Die meisten Rollen sind Männerrollen

Momentan seien zwei Drittel der Rollen für Männer geschrieben, so Barbara Rohm. "Das heißt, wenn wir jetzt auf die Frauen gucken: Wir schicken sie in einen sehr unfairen Wettbewerb."

Porträt von Regisseurin Barbara Rohm mit schwarzem Pullover und rotem Schal. (picture alliance / dpa-Zentralbild / Britta Pedersen)Barbara Rohm hat bei Werbefilmen und für unterschiedliche Fernsehformate Regie geführt. (picture alliance / dpa-Zentralbild / Britta Pedersen)

Die Voraussetzungen für einen solchen Preise seien also noch gar nicht geschaffen. In Filmen mangele es zudem beispielsweise an Altersvielfalt, Schauspielerinnen ab 30 verschwänden von der Leinwand. Und genauso müssen man sich auch mit anderen Aspekten von Diversität beschäftigen, etwa wie sichtbar People of Color und Menschen mit Migrationsgeschichte in Filmen seien. Dafür sei wichtig, wer hinter der Kamera arbeite, denn das spiegele sich deutlich in den Filmen.

"Wenn ich wirklich was für Genderdiversität tun will, wie wäre es dann mit einem zusätzlichen Preis, zum Beispiel für gendersensible Darstellung?", schlägt Barbara Rohm vor. Damit schaffe man einen Anreiz, zum Beispiel mehr Filme mit und über nichtbinäre Menschen und Transpersonen zu drehen.

Fazit

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