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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 06.02.2021

Gendern oder nicht?Helfen * bei der Gleichstellung?

Moderation: Gisela Steinhauer

Ein pinkes Sternchen ist auf gelbem Hintergrund zu sehen. (Deutschlandfunk Kultur)
Kann ein Sternchen das richtige Mittel sein, um Geschlechtergerechtigkeit zu schaffen? (Deutschlandfunk Kultur)

Bürger*innen, Bürger_innen oder BürgerInnen? Das Gendern ist ein heißes Thema. Die einen sehen es als Ausdruck der Gleichstellung, andere empfinden es als Sprachverhunzung und Bevormundung. Wie kann eine geschlechtergerechte Sprache aussehen?

Ein * sorgt für Aufregung: Sagen wir Sängerinnen und Sänger oder eher Sänger*innen? Und wie sprechen wir letzteres aus – mit Pause oder ohne? Sagen wir die Studenten und Studentinnen, Student*innen oder neutral: die Studierenden? Statt Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schlicht Mitarbeitende? Die Debatte über das Gendern in der Sprache wird seit Jahrzehnten geführt, oft mit sehr verhärteten Positionen. Ist Sprache überhaupt das richtige Mittel, Geschlechtergerechtigkeit zu schaffen – und wenn ja, wie kann das geschehen?

"Die Zeiten gendern sich"

"Es gibt kein Gesetz, dass nur das generische Maskulinum gilt", sagt Nils Pickert, Redakteur beim Magazin von "Pinkstinks". Die Protest- und Bildungsorganisation setzt sich gegen Sexismus und Homofeindlichkeit ein. Und sie wirbt für eine inklusivere, diskriminierungsfreie und damit geschlechtergerechtere Sprache. Frei nach dem Motto: "Die Zeiten gendern sich".

Nils Pickert gendert so oft er kann, beruflich wie privat. Wenn der vierfache Vater zum Beispiel mit seinen Kindern über Berufe spricht, legt er bewusst die Pause ein, um die weibliche Form mit einzubeziehen "Damit sie in ihrer Welt vorkommt. Damit meiner Tochter klar wird, dass das auch für sie eine Option ist", so der Autor des Buchs "Prinzessinnenjungs: Wie wir unsere Söhne aus der Geschlechterfalle befreien".

Sprache finde nicht im luftleeren Raum statt, so Pickert. "Sprache verändert sich die ganze Zeit." Und es sei an der Zeit, dass sie auch die gesellschaftliche Realität abbilde. Es gebe nicht nur zwei Geschlechteridentitäten. Auch Lesbische, Schwule, Bisexuelle, Queere, Nicht-binäre und Transgender sollten sichtbar gemacht werden – auch durch eine gegenderte Sprache.

Gendern führt nicht zur Gleichstellung

 "Ich gendere nicht, ich möchte nicht gegendert werden", sagt Nele Pollatschek. Sie bezeichnet sich bewusst als Schriftsteller. Sie verstehe das Anliegen, aber der Weg, Gleichstellung durch eine Normierung der Sprache herbeizuführen, führe in die Irre. Beim Gendern trete automatisch das Geschlecht in den Vordergrund, ob der oder die Betroffene es wolle oder nicht. Und sie wolle es nicht. Es habe auch nichts in einer Berufsbezeichnung zu suchen; jeder und jede solle auch das Recht auf Unsichtbarkeit haben.

Ihre Überzeugung: Wer Gleichheit wolle, müsse sie herstellen, nicht nur darüber reden. Siehe den Gender-Gap, also die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen hierzulande. "Wir diskutieren seit 40 Jahren über gendergerechte Sprache, während sich bei der materiellen Realität überhaupt nichts ändert. Meine Angst ist, dass wir gendern, um nichts in der Realität verändern zu müssen."

Gendern oder nicht? – Helfen * bei der Gleichstellung?
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit der Schriftstellerin Nele Pollatschek und mit Nils Pickert von "Pinkstinks". Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de. Besuchen Sie uns auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

(sus)

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