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Interview / Archiv | Beitrag vom 16.11.2018

Gendergerechtes SchreibenDas Gendersternchen - bislang ein Rechtschreibfehler

Henning Lobin im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Ein Tweet der baden-württembergischen Landesregierung mit dem geschlechtsneutral formulierten Wort "Bürger*innen" ist am 02.06.2016 auf einem Mobiltelefon zu sehen. (picture alliance / dpa / Marijan Murat)
Die männliche Anrede in Formularen war lange die Regel. Künftig könnte es "Kund*in" heißen. (picture alliance / dpa / Marijan Murat)

Kolleg*innen, Hörer*innen, Musiker*innen: Das Gendersternchen taucht immer öfter auf. Heute könnte es der Rat für deutsche Rechtschreibung amtlich machen. Eine politische Entscheidung sei das keineswegs, sagt der Germanist Henning Lobin.

Wenn es um gendergerechte Eingriffe in die deutsche Sprache geht, sind hitzige Diskussionen programmiert. Auch der Rechtschreibrat konnte sich bei seiner letzten Sitzung im Juni nicht einigen. Das soll sich nun ändern, auf der Grundlage einer umfangreichen Materialsammlung. Ratsmitglied Henning Lobin, Professor an der Universität Mannheim, sagt, es könnte auf das Sternchen hinauslaufen:

"Allerdings werden wir nicht die deutschen Rechtschreibregeln grundlegend verändern, sondern allenfalls eine Art Tolerierung aussprechen und weiterhin den Sprachgebrauch beobachten. Denn das ist die Aufgabe des Rechtschreibrates, nicht einfach willkürlich irgendwelche Entscheidungen zu treffen, sondern auf der Grundlage des tatsächlichen Sprachgebrauchs Empfehlungen auszusprechen."

Differenzierung nach bestimmten Zusammenhängen

Bislang sei das Gendersternchen kein Teil der deutschen Orthografie und streng genommen ein Fehler. Darum gehe es - "nicht aber, ob wir generisches Maskulinum oder Paarformen oder andere völlig schon in der Rechtschreibung vorgesehene und ermöglichte Formen der geschlechtergerechten Schreibung tatsächlich verwenden."

Lobin plädiert dafür, keine durchgängige Regelung zu empfehlen, sondern eine Differenzierung nach bestimmten Zusammenhängen vorzunehmen, etwa in Verwaltungstexten. Er betont: "Grundsätzlich ist ja jeder und jede frei darin, so zu schreiben, wie er oder sie möchte." (bth)

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