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Interview | Beitrag vom 05.11.2018

Genderforscherin über US-Midterm WahlenHaben die Wählerinnen die Nase voll von Trump?

Susanne Dietzel im Gespräch mit Ute Welty

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Die US-Demokratin Alexandra Ocasio Cortez bietet Trump die Stirn. Die Politikerin kann damit viele Frauen für sich begeistern. Das Foto zeigt sie bei einem Wahlkampfauftritt anlässlich der bevor stehenden Midterm-Wahlen. (picture alliance/The Kansas City Star/AP Photo)
Die US-Demokratin Alexandra Ocasio Cortez bietet Trump die Stirn. Die Politikerin kann damit viele Frauen für sich begeistern. (picture alliance/The Kansas City Star/AP Photo)

Über die Hälfte der weißen Wählerinnen haben 2016 für Donald Trump gestimmt. Schwer nachvollziehbar, warum Frauen einem sexistischen Rüpel ihre Stimme gaben. Die jetzigen Midterm-Wahlen könnten jedoch anders verlaufen - der Ärger vieler Frauen ist groß.

Am 6. November finden in den USA die sogenannten Midterm Wahlen statt. Diese Zwischenwahlen finden immer in der Mitte der vierjährigen Amtszeit eines Präsidenten statt, stets im November. Bei den jetzigen "Midterms" werden ein Drittel der 100 Sitze im Senat und alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus neu vergeben. Auch ein Teil der Gouverneure wird neu bestimmt. 

Derzeit haben die Republikaner in beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit, und sie halten auch deutlich mehr Gouverneurssitze als die Demokraten.

Trendwende in Sicht?

Könnte sich das nun ändern – vor allem: Welche Rolle könnten die Frauen unter den Wählern spielen - und die Politikerinnen die sich zahlreicher als sonst zur Wahl stellen? Tatsächlich hatten vor zwei Jahren 53 Prozent der weißen Wählerinnen für Donald Trump gestimmt – was angesichts von dessen grobem Sexismus und heftigen Skandalen aus europäischer (Außen-)Sicht kaum zu glauben ist. Warum also wählen Frauen Trump beziehungsweise Vertreter seiner Politik?

Vielen ist die Bewahrung ihrer Werte wichtiger

Aus Sicht der deutschen Genderforscherin Susanne Dietzel,  die seit 30 Jahren in den USA lebt und in New Orlean die Frauenhilfsorganisation Eden House leitet, ist weiten Teilen der weiblichen Wählerinnen – viele von ihnen ländlich-religiös -  offenbar die Bewahrung konservativer Werte wichtiger als Trumps offenkundige Entgleisungen:

"Die wohlhabenden Frauen stellen sich vor, dass ihr Wohlstand unter Trump erhalten bleibt. Andere Frauen – die ärmeren Frauen – finden, sie haben jetzt endlich mal jemanden gefunden, der sich auch für sie breit macht. Und viele religiöse Frauen, vor allem Evangelistinnen, möchten ganz einfach, dass die konservative Politik, die Trump durchzieht, weitergeführt wird."

Für die Illegalisierung von Abtreibungen

Viele begrüßten zudem die Besetzung des Obersten Gerichtshofes mit konservativen Politikern oder die Illegalisierung von Abtreibungen.

Der pensionierte Richter Anthony M. Kennedy (r) führt den Richtereid auf Richter Brett Kavanaugh (M) im Saal der Richter im Supreme Court, seine Frau Ashley Kavanaugh hält die Bibel. Daneben stehen ihre Töchter Margaret (l hinten) und Liza. (picture alliance/dpa/CNP/Fred Schilling)Der der versuchten Vergewaltigung beschuldigte Brett Kavanaugh wird Anfang Oktober 2018 als Richter vereidigt. Für viele Wählerinnen ist damit das Maß voll. (picture alliance/dpa/CNP/Fred Schilling)

Dietzel sagte weiter: Die jüngste Affäre um den der versuchten Vergewaltigung beschuldigten Richter Brett Kavanaugh und das Verhalten Trumps gegenüber der Frau, die ihn beschuldigt, Christine Blasey Ford, könne jedoch durchaus zu einem Stimmungswechsel führen.

"Ich gehe davon aus, dass Frauen sich sehr geärgert haben, wie sich Trump vor allem Christine Basley Ford lustig gemacht hat. Und viele Frauen mussten auch mitansehen, wie sich Kavanaugh als wütender Mann gezeigt hat und trotzdem nominiert wurde."

Sie hoffe, dass viele Frauen sich nun anders entschieden und den Demokraten und vor allem auch einer Frau ihre Stimme gäben. Denn ein Viertel der zur Wahl stehenden Kandidaten seien Frauen. 
(mkn)

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