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Interview / Archiv | Beitrag vom 02.04.2019

Geldwäsche im ImmobilienmarktDie wenigsten Verdachtsmeldungen kommen aus der Branche

Enrico Schumacher im Gespräch mit Julius Stücke

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Ein Bauarbeiter steht am 15. 01. 2019 auf einem Baugeruest in Berlin. (imago / photothek.net / Florian Gaertner)
Neubau in Berlin: Milliardenumsätze auf dem Immobilienmarkt und Geldwäschegefahr. (imago / photothek.net / Florian Gaertner)

Die Immobilienbranche setzt in Deutschland Milliarden um. Für Geldwäscher ist der Markt attraktiv. Daher müssen Verdachtsfälle gemeldet werden. Es gibt Immobilienfirmen, die jeden Kunden prüfen. Doch viele Makler verzichten auf Verdachtsmeldungen.

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist eine Seite Wohnungsmarktes, die andere Seite sind kauffreudige Investoren, die ihr Geld anlegen wollen. Allein in Deutschland liegen die Umsätze mit Immobilien bei rund 250 Milliarden Euro im Jahr.

Das Bundeskriminalamt (BKA) sieht dabei die Gefahr, das Geld gewaschen wird. Die Ermittler schätzen, mit zehn Prozent der Immobilienumsätze werde Geld gewaschen. Geld aus Waffen-, Drogen-, Menschenhandel fließt also nach Deutschland.

Wenn Makler den Verdacht haben, bei einem ihrer Geschäfte sei etwas faul, müssen sie das melden. Die Frage ist, tun sie das auch und wie gehen sie dem nach? Schließlich stammt laut BKA nur ein ganz winziger Teil der Verdachtsmeldungen auf Geldwäsche aus der Immobilienbranche. 

"Wir müssen hinschauen"

Enrico Schumacher ist Geldwäschebeauftragter für die Immobilienfirma Berkshire Hathaway Homeservices Rubina Real Estate und damit Teil des Immoblien-Imperiums von Investorenlegende Warren Buffet. Rubina Real Estate ist auf die Beratung internationaler Immobilieninvestoren spezialisiert.

Schumacher sagt zu der Prüfpraxis: "Wir müssen hinschauen." Das Gesetz verpflichte dazu. "Wir müssen sowohl den Käufer als auch den wirtschaftlich Berechtigten identifizieren, wir müssen auch prüfen, wo die Mittel herkommen, auch den Pass."

Sein Arbeitgeber handle mit Luxusimmobilien und höherwertigen Immobilien, daher habe er entsprechend gut betuchte Kunden. Die hätten entweder Anwälte oder ihre eigenen Unterlagen so vorbereitet, dass es wenig Verdachtsmomente gebe.

Studie über Maklerverhalten

In einer Studie des Kriminologen Frank Bussmann von der Uni Halle gab jeder sechste Makler an, in den letzten zwei Jahren mindestens einen Fall gehabt zu haben, bei dem es sich vermutlich um Geldwäsche handelte. Über die Hälfte der Makler unternimmt laut dieser Studie aber nichts, weil der Vermittler fürchtet, der Immobilienverkauf würde bei einer Verdachtsmeldung scheitern. 

Auch bei seiner Firma sei es anfangs bei der Verkaufsabteilung ein Thema gewesen, ob man die Kunden nicht verprelle mit den Prüfungen, sagt Schumacher: "Aber die kriegen gar nichts davon mit, das ist wirklich im Hintergrund." Für kleinere Firmen sei das allerdings sehr aufwendig – es verbrauche sehr viel Zeit, Ressourcen und auch Geld.

"Wir prüfen jeden Kunden, weil wir das müssen", sagt Schumacher über seinen Arbeitgeber. Sobald ein berechtigtes Interesse bestehe, ab der Reservierung einer Wohnung etwa, ab da werde man bei jedem tätig.

Sanktionslisten und Panama Papers

"Wir haben eine eigene App geschrieben – wir nehmen nicht nur das, was der Kunde sagt, sondern wir prüfen auch selber: ‚Ist der ein PEP?‘, also eine politisch exponierte Person, könnte er also seine Macht ausspielen?" Weitere Prüffragen seien, ob der Kunde auf einer Sanktionsliste stehe, etwa einer Terrorsanktionsliste, oder ob er in den Panama-Papers auftauche. "Das prüfen wir im Hintergrund automatisiert." 

Schumacher sagt: "Wenn nicht alle Unterlagen vorliegen, die wir benötigen – wir haben ein Schema F – es gibt mehrere Fragebögen, die der deutsche Staat vorgibt – und wenn das nicht akkurat ausgefüllt ist, dann machen wir eine Verdachtsmeldung", sagt Schumacher für seinen Arbeitgeber.

(mfu)

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