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Konzert / Archiv | Beitrag vom 03.03.2021

Geiger, Autor und ZeitzeugeIn Memoriam Michael Wieck

Von Volker Michael

Michael Wieck am Ostseestrand im Kaliningrader Oblast im Jahr 2004. (Viktor Gribowski, Kaliningrad/Dt. Kulturforum Östliches Europa)
Fuhr immer wieder in die Region seiner Kindheit - Michael Wieck am Ostseestrand im Kaliningrader Oblast (Viktor Gribowski, Kaliningrad/Dt. Kulturforum Östliches Europa)

Michael Wieck musste als jüdischer Jugendlicher um seine Ausbildung kämpfen. Danach gehörte er als jüngster Geiger dem RIAS-Symphonie-Orchester an. Seine Karriere führte ihn schließlich nach Stuttgart und als Zeitzeuge an das Schreibpult.

In dieser Sendung erinnern wir an einen wichtigen deutschen Orchestermusiker und Zeitzeugen, an den Geiger und Autor Michael Wieck. Er ist am 27. Februar 2021 im Alter von 92 Jahren in Stuttgart gestorben.

Jüdische Familienzweige

Michael Wieck stammt aus Königsberg in Ostpreußen. Bis 1948 hat er dort viel erleben müssen, bis er schließlich nach Berlin ausreisen durfte, um Musik zu studieren. Seine Eltern waren bekannte deutsche Musiker, Mitglieder des Königsberger Streichquartetts. Seine Mutter war Jüdin, sein Vater Christ.

Michael Wieck trug den Gelben Stern, musste Diskriminierung erleiden und Zwangsarbeit leisten und die Deportation vieler Verwandter und Freunde miterleben. Weil sein Vater zur Familie hielt, wurden seine Mutter und er von den Nazis nicht deportiert.

Unerfüllt Hoffnung

1945 fand die Befreiung für Michael Wieck und seine Eltern nicht statt. Denn den Sowjets galten er und seine Eltern nur als Deutsche. Verfolgung, Verhaftung, Hunger, Kälte und Krankheiten musste er durchleben, ehe er 1948 nach Berlin gelangen konnte, wo er sein Geigenstudium begann. 

Jüngster Geiger beim RIAS

Wieck schaffte den Sprung ins Orchester. Er war auch seit seiner Studienzeit der Geschichte des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin eng verbunden – das Orchester feiert ja in der kommenden Saison 75 Jahre seines Bestehens. 1952 wurde Michael Wieck als jüngstes Mitglied ins RIAS-Symphonie-Orchester aufgenommen, das sich sechs Jahre zuvor gegründet hatte und heute als Deutsches Symphonie Orchester Berlin auftritt.

Raus aus Berlin

Wegen des Mauerbaus verließ Michael Wieck das Orchester im Jahr 1961. Von Berlin aus ging er gen Neuseeland, um dann 1968/69 ins Stuttgarter Kammerorchester einzutreten. Ab 1974 spielte er bis zu seiner Pensionierung im Radio-Sinfonieorchester Stuttgart. 

Der Geiger, Autor und Zeitzeuge Michael Wieck am Ostseestrand im Kaliningrader Oblast im Dezember 2015 auf der Strandpromenade in Selenogradsk, früher Cranz (Deutsches Kulturforum östliches Europa/Klaus Harer)Der Geiger, Autor und Zeitzeuge Michael Wieck am Ostseestrand im Kaliningrader Oblast im Dezember 2015 auf der Strandpromenade in Selenogradsk, früher Cranz (Deutsches Kulturforum östliches Europa/Klaus Harer)

Die Jahre danach nutzte er für eine zweite Karriere als Autor und Zeitzeuge. Er hatte viel zu erzählen, und all seine Erlebnisse als Musiker wie allgemein als Mensch wusste er in klaren und ergreifenden Worten zu formulieren.

Sein Geist war an Immanuel Kant geschult, seine formelle Schulbildung lässt sich nach heutigen Kriterien nicht messen, wie bei vielen Menschen, die ihre Jugend im 2. Weltkrieg verbrachten.

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