Seit 05:05 Uhr Studio 9
Montag, 20.09.2021
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Studio 9 | Beitrag vom 21.10.2015

Gefahrenzone MittelmeerFlucht vor desaströser Lage in Libyen

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Flüchtlinge, die von der libyschen Marine nördlich von Tripoli festgenommen wurden, warten am 5.10.2015  in einem Dock im Hafen der Hauptstadt Libyens. (picture-alliance / dpa / EPA)
Flüchtlinge, die von der libyschen Marine nördlich von Tripoli festgenommen wurden, warten in einem Dock im Hafen der Hauptstadt Libyens. (picture-alliance / dpa / EPA)

Flüchtlingsrouten ändern sich: Das ist im zentralen Mittelmeer zuletzt deutlich zu spüren. Aber auch wenn die meisten Syrer zurzeit den Weg über Griechenland einschlagen, wählen noch immer viele Menschen den lebensgefährlichen Weg von Libyen aus nach Italien.

Im Zentralen Mittelmeer haben sich die die Flüchtlingsströme verändert. Zwar sind in diesem Jahr bislang schon mehr als 130.000 Menschen über das Mittelmeer nach Italien gekommen, aber das sind weniger als im letzten Jahr – immer weniger wagen die Flucht über diese gefährliche Route. Und auch die Zusammensetzung derer, die kommen, hat sich verändert: Nur noch etwa mehr als 7000 Syrer haben es über das Meer bis nach Italien geschafft, die meisten Menschen auf dieser Flüchtlingsroute kommen aus Eritrea, Nigeria und dem Sudan.

Mehr als 3000 Tote in diesem Jahr

Die Route per Flüchtlingsboot von Libyen aus ist gefährlich – in diesem Jahr haben hier schon über 3000 Menschen dabei ihr Leben gelassen, die genaue Zahl lässt sich nur schätzen. Und die, die jetzt immer noch kommen, treibt die desaströse Lage in Libyen, sagt Flavio di Giacomo von der Internationalen Organisation für Migration:

"Es gibt sehr viele Migranten aus Staaten südlich der Sahara, die viele Jahre in Libyen gelebt haben und die jetzt Opfer von Verfolgung, von Missbrauch und Verletzung der Menschenrechte werden. Auch die, die eigentlich Wirtschaftsflüchtlinge sind, fliehen jetzt, um ihr Leben zu retten, um aus Libyen zu fliehen, wo sie in einer Krisensituation festsitzen."

Offenkundig ist, dass Europa große Schwierigkeiten hat, auf die sich schnell verändernden Routen der Flüchtlinge zu reagieren. Vor der libyschen Küste kreuzen die Schiffe des EU-Einsatzes Sophia. Sie sollen Menschen retten, und inzwischen auch die Schlepper bekämpfen.

Schlepper konzentrieren sich auf östliche Route

Aber das große Geld wird längst auf der östlichen Route verdient, mit den fast 300.000 Syrern beispielsweise, die Griechenland seit Beginn des Jahres auf dem Seeweg erreicht haben. Aber auch dort, wird der Kampf gegen die Schlepper ebenso wenig funktionieren, wie auf der Flüchtlingsroute von Libyen aus, sagt Christopher Hein vom Italienischen Flüchtlingsrat:

"Da kann man auch die Boote zerstören, das wird alles einen sehr beschränkten Erfolg haben. Das ist eine dieser Operationen, die dem Publikum vorgestellt werden, jetzt machen wir mal was, jetzt krempeln wir mal die Ärmel hoch. Aber der Erfolg wird nicht da sein, solange nicht die wirklichen Beweggründe, warum die Menschen auf diese Weise nach Europa hereinzukommen, bekämpft werden."

Experten sind sich einig, dass Zäune und sonstige Hindernisse die Flüchtlinge nicht aufhalten werden, solange sich die Situation in ihren Heimatländern, oder dort, wo sie zunächst Schutz suchen, nicht verbessert. Und die Flüchtlingsrouten können sich schnell ändern – das ist in Italien in den letzten Wochen deutlich zu spüren. 

Mehr zum Thema

Zuwara in Libyen - Die Stadt der Menschen-Schmuggler
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 13.07.2015)

Salah Zater aus Libyen - Berichterstatter unter Lebensgefahr
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 03.05.2015)

Libyen und die Katastrophe - "Zur Flucht nach Europa verdammt"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 20.04.2015)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur