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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 10.08.2011

Gefahr nicht gebannt

Wieder brennen in Russland die Wälder

Von Heide Rasche

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Im Bezirk Tara der russischen Region Omsk trainierten im Frühjahr Feuerwehrleute die Bekämpfung von Waldbränden. (picture alliance / dpa / Alexey Malgavko)
Im Bezirk Tara der russischen Region Omsk trainierten im Frühjahr Feuerwehrleute die Bekämpfung von Waldbränden. (picture alliance / dpa / Alexey Malgavko)

Nie wieder eine solche Katastrophe – das wurde den Russen nach dem Brandinferno des letzten Jahres von ganz oben versprochen. Wenn es wieder zu verheerenden Bränden im Land kommen sollte, werde er die Beamten aus der Regierung von Premier Putin in den Wald jagen, drohte Russlands Präsident Medwedew im April. Das Ausmaß der Katastrophe im letzten Jahr wurde bisher nicht erreicht. Mehr Glück als Kompetenz attestieren Umweltschützer dabei den russischen Behörden bei der Brandbekämpfung.

Die Menschen organisieren sich via Internet. Dort gibt es inzwischen eine Seite, auf der alle Hilferufe gesammelt werden. So auch die für den neuen Torfbrand, der am Wochenende südlich von Moskau entstand. Benzin für die Freiwilligen, Löschflugzeuge, offenbar fehlt es an vielem.

Auch wenn die offiziellen Stellen immer wieder beschwichtigen, Grigori Kuksin von Greenpeace Moskau kann den offiziell verordneten Optimismus nicht teilen:

"Im Großen und Ganzen ist die Situation nicht gut. Vor allem sind die Regionen im Zentrum besorgniserregend, darunter auch Moskau und das Moskauer Gebiet. ... . Obwohl es offiziell heißt, dass diese Brände lokalisiert und teilweise auch gelöscht sind, die Realität sieht anders aus. An diesen Orten bleibt die Gefahr der starken Rauchentwicklung bestehen."

Bislang gab es landesweit in dieser Saison schon mehr als 17.000 Brände, eine Fläche von mehr als einer Million Hektar wurde von den Flammen vernichtet. Immer noch meldet das Katastrophenschutzministerium täglich neue Brände, meistens aber mit dem beruhigenden Zusatz, man habe alles unter Kontrolle. Besonders betroffen sind nach wie vor der Ferne Osten, das Wolgagebiet, der Ural und Teile des Gebietes um Moskau. Und auch die Region Archangelsk, im Norden Russlands.

Hier war es im Juli außergewöhnlich heiß und die Umweltschützer verzeichneten deutlich mehr Brände als im Vorjahr. Ende Juli wurde hier der Ausnahmezustand verhängt, dicke Rauchwolken hingen über der Hafenstadt mit ihren mehr als 300.000 Einwohnern. Inzwischen hat sich die Lage wieder etwas normalisiert, berichtet Denis Dobrynin von der Naturschutzorganisation WWF in Archangelsk:

"Jetzt hat sich die Situation verbessert, weil sich das Wetter geändert hat, vor allem nördlich von Archangelsk, wo es viele Brände gab. Es hat geregnet, die Temperatur ist gesunken, deshalb ist die Zahl der Brände zurückgegangen."

Die Menschen hoffen jetzt auf einen gemäßigten August, das würde bedeuten, dass die Zahl der Brände nach Überzeugung der Umweltschützer zumindest nicht mehr steigt. Das wäre dann allerdings kein Verdienst der Brandschutzmaßnahmen der Behörden, meint Denis Dobrynin:

"Jedes Jahr, wenn der Herbst kommt, gibt es dank des Wetters weniger Brände."

Neuen technische Errungenschaften, die die Behörden im Kampf gegen die jährlich wiederkehrenden Waldbrände präsentieren, stehen die Umweltschützer eher skeptisch gegenüber. Ende Juli wurde im Gebiet Tscheljabinsk im Südural die erste automatische Waldbrandüberwachungsanlage Russlands eingerichtet. Von hier aus könnten Brandherde in bis zu 30 Kilometern Entfernung geortet werden, meldete das russische Katastrophenschutzministerium.

Eine Anlage für das flächenmäßig größte Land der Welt reicht nach Überzeugung von Grigori Kuksin noch lange nicht aus für eine effektive Brandbekämpfung.

"Es gibt viele Experimente mit neuen technischen Mitteln, auch mit Kameras und Wärmebildgeräten. Aber solange wir nicht genug Menschen haben, keine ganz normale Waldwachen, keine Verantwortung für konkrete Territorien, .., ist diese Technik nutzlos. Sie funktioniert ohne Menschen nicht."

Das Fazit der Umweltschützer fällt daher auch eher bitter aus: In diesem Jahr hatte Russland bis jetzt einfach Glück: Es war nicht so heiß wie über weite Strecken des vergangenen Jahres und es hat häufiger geregnet. Ansonsten wäre eine ähnliche Katastrophe wie im Vorjahr beinahe unausweichlich gewesen, denn die versprochenen gravierenden Änderungen der Strukturen blieben bislang über weite Strecken aus.

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