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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.08.2010

Gefährliche Kritik

In Hongkong ist das Buch "Filmstar Wen Jiabao" erschienen

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In einem Buchladen in Hongkong liegt "Filmstar Wen Jiabao" von Yu Jie aus. (AP)
In einem Buchladen in Hongkong liegt "Filmstar Wen Jiabao" von Yu Jie aus. (AP)

In einer Auflage von 5000 Exemplaren ist in Hongkongs Buchläden "Filmstar Wen Jiabao" erschienen. Darin rechnet der chinesische Dissident Yu Jie mit dem chineischen Ministerpräsidenten ab: Der sei keineswegs der freundliche Reformer, sondern ein machtbesessener Hardliner.

Yu Jie geht mit der Veröffentlichung ein großes Risiko ein, denn es drohen ihm lange Haftstrafen, weil er das Buch im Ausland publiziert, erzählt China-Korrespondentin Ruth Kirchner. Erst kürzlich war der chinesische Autor Liu Xiaobo in einem Schauprozess zu elf Jahren Haft verurteilt worden, weil er für mehr Demokratie in China eingetreten war. Yu Jie und Liu Xiaobo hatten gemeinsam das unabhängige chinesische PEN-Zentrum gegründet. Seit 1998 hat Yu Jie in China Publikationsverbot.

Anfang Juli erhielt Yu Jie Besuch von der chinesischen Geheimpolizei und wurde über vier Stunden über sein Buch ausgefragt. Einschüchtern ließ er sich jedoch nicht. Er glaubt, dass man für die Meinungsfreiheit in China eintreten müsse.

In seinem Buch schildert den chinesischen Premier als einen Hardliner, der an Kritik und Meinungsfreiheit nicht interessiert sei, der auch Reformen nicht voranbringen wolle und dem es nur um Machterhalt und das Überleben der chinesischen KP gehe. Yu Jies Buch kratzt gewaltig am sorgfältig aufgebauten Image Wens als volksnaher Herrscher.

Der Titel "Filmstar Wen Jiabao" nimmt ironisch Bezug darauf, dass Wen immer öfter im Staatsfernsehen als sorgenvoller "Vater der Nation" auftritt, in Katastrophengebiete fliegt und dort den Menschen Besserung verspricht. Doch passiert sei zum Beispiel nach dem Erdbeben von Sichuan nichts, kein Verantwortlicher sei zur Rechenschaft gezogen worden, schreibt Yu Jie.

Mit seiner Kritik an der chinesischen Führung habe Yu Jie einen Tabubruch begangen, sagt Ruth Kirchner. Bestimmte Themen sparten sich auch kritische Intellektuelle Chinas aus, um Ärger zu vermeiden: Tibet, Taiwan und Tianmen. Auch Kritik an der Führung gehöre dazu.

Gespräch mit Ruth Kirchner als MP3-Audio

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