Seit 01:05 Uhr Tonart

Sonntag, 16.06.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Konzert / Archiv | Beitrag vom 27.01.2015

GedenkkonzertDie Seele der Ermordeten

Live aus dem Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin

Geigenbauer Amnon Weinstein mit einer von ihm restaurierten Violine bei der Ausstellung "Violins of Hope" in Monaco. (picture alliance / dpa / Cyril Dodergny)
Der Geigenbauer Amnon Weinstein restauriert Instrumente von Schoa-Opfern (picture alliance / dpa / Cyril Dodergny)

Es gab sie - Musik in den Konzentrationslagern. Inhaftierte Musikerinnen und Musiker durften und sollten spielen. Die meisten von ihnen wurden ermordet. Einige ihrer Instrumente haben überdauert und erklingen an diesem Abend. Wenn ihr Klang überlebt, sind auch die Seelen derjenigen nicht vergessen, die sie einst gespielt haben.

Die Berliner Philharmoniker mit ihrem Chefdirigenten Simon Rattle, ihrem ehemaligen Konzertmeister Guy Braunstein und dem - wie Braunstein - aus Israel stammenden Cellisten Zvi Plesser, nehmen den 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum Anlass, Instrumente im Konzertsaal zu spielen, die einstmals von Musikern in Konzentrationslagern verwendet wurden. Der israelische Geigenbauer Amnon Weinstein hat bereits einige dieser Instrumente in liebevoller Kleinarbeit restauriert. Aus der Sammlung "Violins of Hope" (Geigen der Hoffnung) werden an diesem Abend einige Stücke zu hören sein.

Der wie Guy Braunstein und Zvi Plesser in Berlin lebende israelische Pianist und Komponist Ohad Ben Ari hat drei bekannte kurze Werke für Solo und Streicher arrangiert - das Kol Nidrei von Max Bruch, die F-Dur-Romanze von Beethoven und die Hebräische Melodie von Joseph Achron. Außerdem hat er ein eigenes neues Werk geschrieben, das den Titel der Geigensammlung Überlebender aufgreift.

Amnon Weinstein beschreibt den Inhalt seiner Arbeit mit folgenden Worten: »Jedes Instrument ist wie der Grabstein zu einem fehlenden Grab, für Körper, die eingeäschert wurden und denen man die Bestattung verweigert hat.«

Das Konzert wird ergänzt von kurzen Lesungen aus Elie Wiesels "Die Nacht" und von anderen Texten, die die besondere Geschichte dieser Instrumente beschreiben.

Die Live-Übertragung dieses Sonderkonzerts zum Internationalen Schoa-Gedenktag ist der Auftakt zu einem Programmschwerpunkt zum 50-jährigen Bestehen diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland im Deutschlandradio Kultur.

 

Live aus dem Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin

Konzert zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

 

Gustav Mahler

Adagietto aus der Sinfonie Nr. 5 cis-Moll

 

Joseph Achron

Hebräische Melodie op. 33

(Bearbeitung für Harfe und Streicherensemble von Ohad Ben-Ari)

 

Max Bruch

Kol Nidrei op. 47

(Bearbeitung für Harfe, Violoncello und Streicherensemble von Ohad Ben-Ari)

 

Anonymus

"Avinu Malkenu" für Violine, Violoncello und Streicher

 

Johann Sebastian Bach

2. Satz (Andante) aus dem Konzert für Violine, Streicher und Basso continuo a-Moll BWV 1041

 

ca. 21.00 Uhr Konzertpause, darin:

Amnon Weinstein, Albrecht Dümling, Ohad Ben-Ari und Samuel Adler im Gespräch mit Volker Michael

 

Samuel Adler

Elegie für Streichorchester

 

Ludwig van Beethoven

Romanze Nr. 2 F-Dur op. 50

(Fassung für Violine und Streicherensemble von Ohad Ben-Ari)

 

Ohad Ben-Ari

"Violins of Hope" für Violine, Violoncello und Streicherensemble (Uraufführung)

 

sowie Text von Elie Wiesel und Henry Mayer

 

Ulrich Matthes, Sprecher

Guy Braunstein, Violine

Zvi Plesser, Violoncello

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Leitung: Simon Rattle, Duncan Ward

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur