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Interpretationen / Archiv | Beitrag vom 26.11.2017

"Gaspard de la nuit" von Maurice RavelTeufelsmusik

Moderation: Jürgen Otten

Der französische Komponist (u.a. "Bolero", "Daphnis und Chloe") in einer zeitgenössischen Aufnahme. Maurice Ravel wurde am 7. März 1875 in Ciboure geboren und ist am 28. Dezember 1937 in Paris gestorben. | (picture-alliance / dpa)
Am Klavier: Maurice Ravel war selbst ein Virtuose. (picture-alliance / dpa)

"Gaspard de la nuit": Klavierstücke von Maurice Ravel, extrem virtuos und rätselhaft zugleich. Schon der Titel ist kaum zu übersetzen, er bedeutet etwa "Schatzhüter der Nacht". Ein Schatz des Repertoires ist diese 1908 komponierte Musik allemal.

"Höre! Höre! Mein Vater schlägt das spritzende Wasser mit einem jungen Erlenzweig, und meine Schwestern liebkosen die kühlen Inseln der Gräser, Seerosen und Gladiolen mit ihren schäumenden Armen oder sie lachen über die morsche und bärtige, angelnde Weide." Worte wie Pfauenfedern – leicht, anmutig, voller Poesie. Zu Papier gebracht 1836 von Louis-Jacques-Napoléon, genannt Aloysius Bertrand, in jenem Buch, dem er den hermetischen Titel "Gaspard de la nuit" gab. Maurice Ravel diente es als Inspiration für sein wohl bedeutendstes Klavierwerk.

Er bestand darauf, dass man Bertrands Versprosa jeweils als Vorwort zu den Noten der drei Solostücke abdruckte – vermutlich, um das enigmatische Werk verständlicher zu machen, auch wirkungsmächtiger. Der französische Komponist war auf den romantischen Stoff durch seinen Freund und Mitschüler am Pariser Konservatorium, Ricardo Viñes, gekommen; er besaß ein Exemplar der "Fantasien in Rembrandts und Callots Manier" – so der vieldeutige Untertitel der Gedichtsammlung.

Langes Ringen

Beide, Ravel wie Viñes, gehörten bis 1914 dem Künstlerzirkel der "Apachen" an, für den Ravel seine an Impressionen reichen Klavierwerke "Jeux d'eau", "Miroirs" – und eben auch "Gaspard de la nuit" komponierte. Letzterer war übrigens eine äußerst schwere Geburt: Das Werk, so rauschhaft es auch anmutet, entstand in einem monatelangen Ringen mit dem Sujet. Beleg ist ein Brief Ravels an die polnische Freundin Ida Godebska vom Juli 1908, in dem sein Verfasser nicht auf den für ihn so typischen Sarkasmus verzichten mag: "Nachdem er doch allzu lange im Mutterleib war, kommt 'Gaspard de la nuit' jetzt endlich ans Tageslicht. Es hat teuflisch lange gedauert, aber da die Gedichte vom Teufel sind, ist das nur logisch."

Bei der Komposition dachte Maurice Ravel dann allerdings nicht mehr an irgendein satanisches Wesen, sondern weit mehr an den pianistisch erlesenen Viñes. Unsere Sendung erkundet die Wandlungen, denen dieser enorm schwierige Klavierzyklus auf der Bühne und im Studio ausgesetzt war – mit Pianisten wie Walter Gieseking, Martha Argerich und Ivo Pogorelich.

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