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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.03.2018

Galerist Johann König"Manchmal sind Ideen die besten Kunstwerke"

Moderation: Ulrike Timm

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Der Galerist Johann König  (Robin Kater)
Galerist Johann König hat in Berlin eine Galerie in einer Kirche eröffnet. (Robin Kater)

Johann König ist einer der wichtigsten Galeristen für Gegenwartskunst in Deutschland. Seine erste Galerie eröffnete er, noch bevor er sein Abitur bestanden hatte. Kein Weg, der selbstverständlich war. Denn König war seit seinem elften Lebensjahr nahezu blind.

Für seine Berliner Galerie hat Johan König sich einen der ungewöhnlichen Ort ausgesucht: Die Kirche St. Agnes in Kreuzberg, einen monumentalen, kargen Betonbau aus den 60er-Jahren. "Das Gebäude ist fast ein konzeptuelles Bauwerk und ein wichtiges Beispiel für den Brutalismus, einen Baustil der Nachkriegsmoderne: Beton, Stein, Holz, Ziegel", sagt Johann König.

"Besonders beeindruckt hat mich, dass die Kirche unten mit Trümmerziegeln ausgefacht ist. Das Zeitungsviertel um die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg total zerbombt, und Werner Düttman hat diese Ziegel zusammengesammelt und daraus die Kirche wieder aufgebaut."

Die Kirche als Galerie – das ist ein Ort voller Spannung zwischen dem 15 Meter hohen Raum und Objekten wie riesenhaften Mobiles oder meterhohen Leinwänden.

"Im besten Fall löst Kunst etwas in einem aus und führt einen auf Wege, die man bis dahin nicht unbedingt gegangen wäre. Im besten Fall ist es gar nicht megaloman, aber manchmal braucht es das auch, um diese Wirkung zu erzeugen."

In der Kirche befindet sich die Galerie Johann König. Zu sehen sind Arbeiten der Künstlerin Katharina Grosse. (imago / Mike Schmidt)Die Kirche St. Agnes in Berlin-Kreuzberg (imago / Mike Schmidt)

Johann König, geboren am 22. Juli 1981, entstammt einem wahren Kunst-Clan: Sein Vater Kasper König war Kunstprofessor und Kurator, bis 2012 leitete er das Museum Ludwig in Köln. Johanns älterer Bruder Leo zählt zu den Newcomern der New Yorker Galeristen-Szene, sein Onkel Walther König ist Kunstbuchverleger.

"Man sieht alles mit dem ganzen Körper"

Ein Unfall veränderte Johann Königs Leben abrupt: Als Elfjähriger spielte er mit der Munition einer Startpistole und war anschließend fast blind. Hoffen und Bangen über Jahre, mehrere Hornhaut-Operationen missglückten.

"Ich habe natürlich daran gedacht, mich aufzugeben und mir nicht so einen Druck zu machen. Dann passierte genau das Gegenteil, und ich musste mir diesen wahnsinnigen Druck machen. Ich habe ja schon vor meiner mündlichen Abiturprüfung die Galerie aufgemacht, weil ich gemerkt habe, wenn ich mich jetzt nicht selber in eine Schraubzwinge zwänge, bleibe ich auf der Strecke hänge."

Erst seit wenigen Jahren kann Johann König wieder in geringem Maße sehen. Vielleicht sagt er auch deshalb: "Man sieht alles mit dem ganzen Körper."

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