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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 30.05.2018

Fynn Kliemann im GesprächHeimwerken für eine bessere Welt

Fynn Kliemann im Gespräch mit Susanne Führer

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Der Netzwerker und Heimwerker Fynn Kliemann: ein Hipster auf dem Bauernhof (dpa / Ingo Wagner)
Der Netzwerker und Heimwerker Fynn Kliemann: ein Hipster auf dem Bauernhof (dpa / Ingo Wagner)

Versuchen, scheitern, neu versuchen - und sich freuen, wenn es dann endlich klappt. Fynn Kliemann lässt in seinem "Kliemannsland" nichts Handwerkliches unversucht, wenn es auch noch so dilettantisch ist. Und er hat Erfolg, über den er gerne spricht.

Fynn Kliemann ist der "Heimwerkerking". So nennt er sich gerne selbst. Mit seinen unbeholfenen, aber charmanten Heimwerkervideos hat er innerhalb von zwei Jahren eine beachtliche Fangemeinde um sich geschart. Stets dilettantisch, aber wortgewandt bastelt er an seinem Eigenheim herum, filmt sich dabei und stellt das Ergebnis auf YouTube.

"Ich bin überhaupt kein Handwerker. Aber ich brauchte Sachen. Ich habe mit meiner Freundin ein Haus gekauft  und da mussten wir ganz viel umbauen. Dann wird man zwangsweise zu einem Handwerker, aber ich bin ein großer Stümper. Doch am Ende erfüllt das seinen Zweck."

45.000 scheitern gemeinsam mit Fynn

Den Hof hat Fynn Kliemann vor zwei Jahren in der Provinz zwischen Bremen und Hamburg gekauft. Hier dreht er nun für den Jugendsender "funk" seine Heimwerkersendung mit dem Titel "Kliemannsland". Idee dieser Sendung ist es, Fynn dabei zu begleiten, wie er den 3,5 Hektar großen Hof nach und nach ausbaut und ihn in einen Abenteuerspielplatz für Kreative verwandelt.

"Wir haben verschiedene Sachen gebaut. Es gibt ein Musikstudio. Wir haben gerade ein Atelier gebaut. Wir haben Werkstätten natürlich. Wir haben einen See und wir haben sogar eine eigene Wakeboard-Anlage. Jetzt haben wir gerade ein Taucherparadies gebaut. Also, es ist komplett wahnsinnig, was da passiert, aber gleichzeitig das Spannendste, was ich jemals gesehen hab."

Unterstützt wird er dabei von Menschen, die entweder permanent auf dem Hof leben oder nur kurz vorbei schauen. Sie nennen sich die "Bürger vom Kliemannsland". Online haben sich inzwischen 45.000 UnterstützerInnen angemeldet.

Amazon soll draußen bleiben

Fynn Kliemann ist ein Tausendsassa. Mit seinen 28 Jahren hat der gelernte Mediengestalter und YouTube-Star neben seiner eigenen Fernsehsendung bereits mehrere Firmen gegründet – allerdings nicht mit seinen Freunden, wie er betont.

"Also ich arbeite rein geschäftlich, wenn man so will, nicht mit Freunden zusammen. Wenn es nicht um Kohle geht, dann immer."

Ein Buch hat er inzwischen auch herausgebracht. Beim Verkauf versucht er, Großhändler wie Amazon fernzuhalten und hat dazu mit der örtlichen Buchhandlung in Zeven kooperiert.

"Die Idee dahinter war toll, weil wir gesagt haben, wir arbeiten mit der Buchhandlung bei uns in Zeven zusammen und haben die romantische Vorstellung, Leute wieder zurück in den stationären Buchhandel zu bringen. Und wir haben dann Prozente im Verkauf so angepasst, dass das Internet, also Amazon und Co., die Bücher nicht kaufen, weil sie schlechte Prozente bekommen."

Auch wenn Fynn Kliemann sagt, seine Aktivitäten seien nicht politisch motiviert, so räumt er doch ein: 

"Das hat alles mit einem Spaß begonnen. Und wenn man was verändern kann, dann kann man das nutzen. Man muss nicht gleich Weltverbesserer sein, aber man kann es so unterschwellig machen."

Am Wichtigsten von all seinen Aktivitäten sei ihm die Musik, sagt er. Er beherrscht gleich eine ganze Reihe von Musikinstrumenten und bastelt an seinem ersten Musik-Album, das bald erscheinen soll.

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