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Nachspiel | Beitrag vom 19.01.2020

Fußballbegeisterte VäterManchmal cool und manchmal peinlich

Von Bettina Ritter

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Ein kleiner Fan trägt eine Fußball. Hinter ihm beobachtet ihn dabei eine Reihe Männer hinter der Bande zum Spielfeld. (imago images / Claus Bergmann)
Kicken vor fachmännischen Blicken. (imago images / Claus Bergmann)

Jedes Wochenende begleiten sie ihre Söhne auf den Fußballplatz und feuern sie an. Das Spiel soll den Kindern zwar Spaß machen, dennoch hat der Sohn das Beste zu geben, findet ein Vater und gibt zu: Er wurde auch schon mal vom Trainer gerüffelt.

Ein Fußballturnier im Norden Berlins. Die Zuschauertribüne ist gut gefüllt, etwa 60 Leute, die meisten Männer. Ich stehe im Fanblock des Steglitzer SCs, kurz SSC Südwest. Er besteht aus etwa fünf Vätern um die 40. Sie beobachten jeden Pass, jede Torchance ihrer Söhne mit Kennerblick.

Das Kind soll das Beste geben

Einer von ihnen ist Hanno. Er ist fast immer dabei, wenn sein Sohn Felix mit seiner Mannschaft in der der Zweiten E-Junioren-Bezirksklasse ein Spiel hat:

"Ich rufe rein und wurde auch vom Trainer dafür auch schon gerüffelt. Viel zu emotional, ich spiele mit, ich möchte meinen Jungen antreiben, ich sehe von außen, was er eigentlich kann und dann, was er macht, und man möchte als Papa ihm eigentlich alle fünf Minuten Tipps geben."

Meist lobe er seinen Sohn, sagt Hanno, und rufe etwas Ermutigendes. Und klar, der Junge solle vor allem Spaß haben, es gehe nicht primär um die Leistung. Trotzdem soll er es so gut machen, wie er kann. Zehn Prozent seiner Freizeit verwende er auf die Fußball-Aktivitäten seines Sohnes, schätzt der Vater.

Zahlreiche Väter begutachten ihre Schützlinge am Spielfeldrand. (imago images / Preusser)Väter bilden den Fanblock. (imago images / Preusser)

Dem Trainer gefällt es, wenn die Eltern sich so beteiligen – im Großen und Ganzen, sagt René Maisel:

"Es kommt drauf an, inwieweit die Hilfe hinreicht. Es kann auch manchmal lästig sein, gerade wenn sich die Eltern ins Fußballerische einmischen wollen, dann kann’s auch manchmal etwas schwierig sein, aber ansonsten ist man für jede Unterstützung, die man kriegt, dankbar."

Gemeinsame Vater-Sohn-Zeit

Die Jungs vom SSC Südwest kämpfen um den Einzug ins Halbfinale. Der Fanblock hat die Handys gezückt, macht Videos. Zeyad, Vater von Amon, schickt ein besonders schönes in die WhatsApp-Gruppe. "An den Trainings- und Spieltagen gibt es viele Nachrichten und fast einen Live-Chat zu jedem Tor, sodass die Eltern, die nicht da sind, auch immer wissen, wie’s steht. Es ist der meist frequentierte WhatsApp-Chat, den ich habe", lacht er.

Ich muss mitlachen. Das Engagement und das Mitfiebern der Eltern finde ich auf jeden Fall amüsant. Aber auch etwas kurios. Steckt dahinter vielleicht doch etwas anderes? Ein unerfüllter Fußballer-Traum? Eine Überidentifizierung mit dem Kind? Vater Zeyad hat pragmatischere Gründe:

"Naja, zum einen arbeite ich in der Woche recht viel, und ich finde es schön, die Freizeit, die wir haben, mit den Kindern zu verbringen, und sie beim Fußball zu begleiten. Das ist sehr emotional, sehr intensiv, und sie sind in einem Alter, wo sie ein bisschen Begleitung brauchen, um das alles einordnen zu können."

Schreien, nur wenn Pause ist

Wie die anderen Väter kommentiert Zeyad von der Seitenlinie, lobt und meckert. Wie finden das eigentlich die Jungs? Der neunjährige Paul über seinen Vater:

"Manchmal ist es cool und manchmal ist es peinlich. Also, er schreit nicht rein, nur wenn Pause ist oder irgendwie gerade jemand auf dem Boden liegt, dann sagt er mir was. Dass ich so weiter machen soll, oder dass ich ein bisschen offensiver spielen soll."

Die letzten Minuten des Spiels sind angebrochen, jetzt entscheidet sich, ob die Jungs vom SSC Südwest ins Halbfinale kommen. Zum ersten Mal gucke ich wirklich auf das Spiel und bin beeindruckt. Ich sehe tolle Pässe, draufgängerische Stürmer, vollen Einsatz und rote Gesichter. Es ist ein richtig gutes Spiel. Und als das entscheidende Tor für den SSC fällt, reiße auch ich automatisch meine Faust in die Luft und stoße einen Freudenschrei aus. Ein bisschen peinlich ist mir das schon, aber jetzt habe ich wenigstens die Erklärung, warum die Väter jedes Wochenende hierhin kommen. Es packt einen, ob man will oder nicht.

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