Seit 08:50 Uhr Buchkritik
Dienstag, 20.10.2020
 
Seit 08:50 Uhr Buchkritik

Studio 9 | Beitrag vom 26.04.2019

Fünf Gründe für zwei Hauptstädte Preußische Strenge und rheinische Gelassenheit

Von Moritz Küpper

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein Ausflugsschiff fährt bei Abendstimmung auf dem Rhein an dem UN-Campus-Hochhaus ( Langer Eugen ) und Posttower (Zentrale Deutsche Post Worldnet AG) vorbei. (picture alliance/Joker )
Der Rhein verbinde, anders als die Spree, sechs Staaten - ein Symbol, das einer Hauptstadt gut tue, meint unser Kolumnist Moritz Küpper . (picture alliance/Joker )

Vor 25 Jahren wurde das Berlin/Bonn-Gesetz verabschiedet. Unser Kolumnist Moritz Küpper nennt fünf Gründe, warum die Bundesrepublik Deutschland mehr als eine Hauptstadt braucht.

Erstens ist Bonn Provinz. Vor allem im Vergleich zu Berlin. Doch gerade heute, in Zeiten, in denen allerorts der Eindruck herrscht, die Herrscher, sprich die Politikerinnen und Politiker hätten sich immer weiter von der Bevölkerung entfernt, ist dieser Provinz-Standort hilfreich, verspricht er doch Kontakt. Bundespolitik war in Bonn kein Raumschiff, das in einer Metropole gelandet ist, sondern nahbar – und sollte dies auch bleiben.

Respekt für die Geschichte

Vor allem, weil sich – zweitens – ohnehin schon viel in Berlin knüppelt und die Stadt überfordert: Bezahlbarer Wohnraum für tausende weiterer Beamtinnen und Beamte? Fehlanzeige – und würde Milliarden-Kosten verursachen, die sich durch das Sparen der Pendelei sicherlich nicht reinholen ließen.

Ohnehin – als dritter Grund – zollte Bonn als zweiter Hauptstadt-Standort der Geschichte Respekt: Hier, im Museum König wurde vor 70 Jahren das Grundgesetz beschlossen, von hier aus wurde das Wirtschaftswunder entfacht, der Aufbau der Bundesrepublik eingeleitet – und ja, auch das Bonn/Berlin-Gesetz beschlossen.

Der Ministerpräsident von Hessen Christian Stock während seiner Rede zur Eröffnung des Parlamentarischen Rates am 1.9.1948 im Alexander Koenig-Museum in Bonn. | (dpa/picture alliance )Bonn steht für die Geschichte der Bundesrepublik - im Museum Koenig tagte einst der Parlamentarische Rat. (dpa/picture alliance )

Letztlich – und das ist ja auch die Idee einer Hauptstadt und hier Grund Nummer vier – soll diese verbinden. Berlin hat die Spree, einen Nebenfluss der Havel, die knapp 400 Kilometer lang ist. Der Rhein dagegen – der durch Bonn führt – ist ein Strom durch West- und Mitteleuropa: Auf insgesamt über 1200 Kilometern verbindet er sechs Staaten: Deutschland, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Frankreich und die Niederlande. Ein Symbol – das jeder Hauptstadt gut tut und das zeigt – sozusagen als fünftes und abschließendes Argument: Deutschland ist nicht nur preußische Strenge, sondern auch rheinische Gelassenheit – und mit der sollte auch die ganze Hauptstadtdiskussion geführt werden.

Mehr zum Thema

25 Jahre Hauptstadtbeschluss - Bonn ist nicht vor die Hunde gegangen
(Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 20.06.2016)

Regierungsumzug - Warten auf den letzten Bonn-Berlin-Flug
(Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 01.02.2016)

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur