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Im Gespräch | Beitrag vom 27.03.2021

Frühjahrsputz für Körper und SeeleRichtig fasten, aber wie?

Andreas Michalsen im Gespräch mit Katrin Heise

In der St. Moriz Kirche in Rottenburg hängen Zettel mit Vorsätzen für die Fastenzeit. (picture alliance / dpa / Pressebildagentur Ulmer | ulm)
Fasten ist gesund - und geht manchmal mit guten Vorsätzen einher. (picture alliance / dpa / Pressebildagentur Ulmer | ulm)

Die einen wollen abnehmen, andere wollen ihren Körper und Geist reinigen. Fasten liegt im Trend, nicht nur in der Zeit vor Ostern. Welche Arten des Fastens gibt es? Was ist dabei zu beachten? Wir freuen uns auf Ihre Fragen und Erfahrungen.

"Sieben Wochen ohne" – für viele Menschen ist die vorösterliche Zeit Anlass, um zu fasten. Zwischen Aschermittwoch und Gründonnerstag verzichten sie auf bestimmte Nahrungsmittel, auf Süßigkeiten oder Alkohol.

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Andere wollen frühjahrsfit werden, Körper und Seele reinigen, und legen eine intensive Fastenphase ein. Nur welche Variante ist die passende? Ist es das Heilfasten, das Intervallfasten? Was passiert dabei im Körper? Und wo liegt die Grenze zwischen Heilung und Heilsversprechen?

Einfach durchzuführen, günstig und sehr wirksam

"Die Vorteile des Fastens liegen für mich auf der Hand: Es ist einfach durchzuführen, kostet wenig und ist sehr wirksam", sagt Andreas Michalsen, Chefarzt für Naturheilkunde und Innere Medizin am Immanuel Krankenhaus Berlin und Inhaber der Professur für klinische Naturheilkunde an der Charité Berlin.

"Bei diversen Erkrankungen ist das Heilfasten eine sinnvolle ergänzende Therapieform zur Schulmedizin. Es kann bei rheumatischen Erkrankungen sowie Schmerzerkrankungen wie Fibromyalgie, bei Diabetes, Bluthochdruck und Reizdarm sowie bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten sehr hilfreich sein."

Intervallfasten sei weniger Therapie, sondern vor allem Prävention. "Es gibt erste wissenschaftliche Ergebnisse, die darauf hinweisen, dass das Intervallfasten eine Präventivwirkung bei Multipler Sklerose, Parkinson und Demenz hat."

Erholungspause für den überforderten Stoffwechsel

"Die meisten essen heute ohne Grund, ganz einfach, weil sie es können", so der Fastenexperte. "Nahrung ist in unserer Wohlstandsgesellschaft ja pausenlos vorhanden: Hier der kleine Vormittagssnack, dort der 'Coffee to go', nachmittags das Stück Kuchen in der Kantine oder der Smoothie, weil der so besonders gesund sein soll. Das Verrückte ist, dass wir uns trotz dieser Menge an verfügbarer Nahrung nicht nur zu ungesund, sondern auch zu einseitig ernähren. Nämlich zu viele Kohlenhydrate, zu viele tierische Eiweiße, ungesunde Fette, zu viele Zusatzstoffe."

Fasten kann der Einstieg sein, um die Ernährung langfristig umzustellen auf pflanzliche Kost mit wenig verarbeiteten Lebensmitteln. So beschreibt es Michalsen in seinem Buch "Mit Ernährung heilen". Eine bewusste und Ressourcen schonende Ernährung unterstütze zudem den Kampf gegen den Klimawandel.

Seine Überzeugung: "Ernährung ist vieles: unsere körperliche Lebensgrundlage, Kultur, Genuss, aber auch Gewohnheit und unter Umständen Sucht. Sie kann im Körper so vieles bewirken, und wenn wir sie richtig zu nutzen wissen, ist sie reinste Medizin und Genuss zusammen – und damit das beste Mittel, um lange und gesund zu leben."

(sus)

Frühjahrsputz für Körper und Seele - Richtig fasten, aber wie?
Darüber spricht Katrin Heise heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit dem Mediziner und Fastenexperten Andreas Michalsen. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de. Besuchen Sie uns auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

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