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Fazit / Archiv | Beitrag vom 04.05.2009

"Fritz Muliar war ein unverwüstlicher Schauspieler"

Theater-Direktor Herbert Föttinger zum Tod des österreichischen Mimen

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Bis kurz vor seinem Tod stand Franz Muliar auf der Bühne. Hier agiert er im Rollstuhl in seiner letzten Rolle als Baron von Ciccio in Peter Turinis "Die Wirtin". (AP)
Bis kurz vor seinem Tod stand Franz Muliar auf der Bühne. Hier agiert er im Rollstuhl in seiner letzten Rolle als Baron von Ciccio in Peter Turinis "Die Wirtin". (AP)

Österreich trauert um Fritz Muliar. Der erfolgreiche Schauspieler starb am Sonntagabend im Alter von 89 Jahren in Wien. Er war nach einem Auftritt im Theater in der Josefstadt zusammengebrochen. Wenige Stunden später starb er im Krankenhaus.

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer würdigte Muliar als einen Volksschauspieler im besten Sinne des Wortes. Nach seinen Erfahrungen mit den Nazis sei er auch ein sehr politischer Mensch gewesen. Der Schauspieler war 1942 wegen des Vorwurfs der "Wehrkraftzersetzung" zunächst zum Tode verurteilt, dann aber an die russische Front strafversetzt worden.

Nach dem Krieg war Muliar in rund 100 Filmen und Fernsehstücken zu sehen. Außerdem stand er im Theater in der Josefstadt und im Burgtheater viele hunderte Male auf der Bühne. In Deutschland wurde er durch die Darstellung des "Braven Soldaten Schwejk" zum Fernsehstar.

Letzte Rolle im Rollstuhl


Muliars letzte Rolle als Geldhai in Peter Turinis Komödie "Die Wirtin" wurde für ihn extra vom Autor umgeschrieben, sozusagen auf den Leib geschrieben, so dass Muliar die Rolle größtenteils im Rollstuhl spielen konnte. Dies zeige, welche Faszination Muliar auf das österreichische Theater und auch auf Autoren wie Turini ausgeübt habe, sagte Herbert Föttinger, Direktor des Wiener Theaters in der Josefstadt.

""Fritz Muliar war ein unverwüstlicher Schauspieler, der noch mit seinen 89 Jahren von einer Neugier besessen war, wie ich selten jemanden in einer solchen Wachheit erlebt habe"."

Muliar spielte am Burgtheater und auch am Theater in der Josefstadt. Dies sei sein Lieblingstheater gewesen, sagt Föttinger, weil es "das österreichische Nationaltheater" sei. Muliar sei ein tief bekennender Patriot gewesen, zugleich aber tief geprägt von einer antifaschistischen und humanistischen Grundhaltung.

Muliars Humor war, so Föttinger, "ein humoristischer Schmelztiegel, etwas sehr wienerisches und österreichisches, das hat ihn ausgemacht, das hat auch das Publikum tatsächlich geliebt."

Sie können das vollständige Gespräch mit Herbert Föttinger mindestens bis zum 04.10.2009 in unserem Audio-on-Demand-Angebot hören. MP3-Audio

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