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Kompressor | Beitrag vom 06.06.2017

FriedenssymbolikAuf der Suche nach einem neuen Peace-Zeichen

Erik Spiekermann im Gespräch mit Timo Grampes

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Rechts: der Gewinner-Entwurf des Frankfurter-Schirn-Wettbewerbs für ein neues Peace-Zeichen: ein blauer Punkt. Links: das alte Symbol von 1958 (CND-Symbol: Gerald Holtom und Ken Garland / Wettbewerb: Bekata Ozdikmen und Paul Müller / Collage: Deutschlandradio)
Rechts: der Gewinner-Entwurf des Frankfurter-Schirn-Wettbewerbs für ein neues Peace-Zeichen: ein blauer Punkt. Links: das alte Symbol von 1958 (CND-Symbol: Gerald Holtom und Ken Garland / Wettbewerb: Bekata Ozdikmen und Paul Müller / Collage: Deutschlandradio)

Tauben, Regenbogenfarben und mit Blumen geschmückte Gewehre: Die bildhafte Darstellung von Frieden wirkt überholt. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt hat deshalb einen Wettbewerb für ein neues Peace-Logo ausgerufen. Nun wurden die Gewinner gekürt.

Das neue Peace-Logo ist von einer unabhängigen Jury der Schirn Kunsthalle Frankfurt ausgewählt worden, zu der zahlreiche prominente Kulturschaffende gehörten: Künstlerin Marina Abramovic, Designer Konstantin Grcic, Designer Eike König, Künstlerin Britta Thie sowie Tilmann Röder von der Max-Planck-Stiftung für Internationalen Frieden und Rechtsstaatlichkeit.

Aus mehr als 600 Einsendungen bei dem Wett­be­werb wählten sie den Entwurf eines blauen Punktes aus. Ihn hatten Bekata Ozdikmen aus der Türkei und Paul Müller aus Deutschland jeweils eigenständig, aber mit ähnlicher Herleitung eingereicht. Beide erhalten je 1000 Euro Preisgeld. 

"Überzeugende Einfachheit"

Der Berliner Kommunikations- und Schriftgestalter Erik Spiekermann findet die Siegerentwürfe überzeugend, weil sie eine "schlichte Einfachheit" hätten, so dass man sie auf jede Häuserwand malen könnte. Er habe aber Probleme mit dem ganzen Wettbewerb, so Spiekermann.

"Man macht das oft so bei so einer Geschichte: Das macht was her, man holt 600 Leute, kann 600 Entwürfe ausstellen, zahlt nix dafür, und kann damit alles machen. Das finde ich schon eine ziemliche Unverschämtheit! Also die Preisträger kriegen 1000 Euro, und die Schirn hat dafür weltweit und für ewig die Nutzungsrechte, können also machen, was sie wollen, das notfalls auf Button machen und für teures Geld weiterverkaufen. Finde ich ziemlich schäbig, ehrlich gesagt."

Bestehendes Peace-Zeichen braucht kein Update

Er fragt sich, warum man nicht die bestehenden bekannten Zeichen aufgewertet habe. Das bekannteste Friedenssymbol ist das als Peace-Zeichen bekannte CND-Logo, das der britische Designer Ken Garland für die Kampagne für nukleare Abrüstung (campaign for nuclear disarment, CND) entwickelt und unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte.

"Das Zeichen ist allgemein bekannt, und ein so tolles Zeichen zu haben ... das wäre ja genauso, als wenn das Rote Kreuz jetzt einen Wettbewerb ausschreibt und meint, sie brauchen ein neues Logo, weil das alte 150 Jahre alt ist."

Mehr Informationen zur Ausstellung "Peace", die vom 1. Juli bis 24. September 2017 in der Frankfurter Kunsthalle Schirn zu sehen ist, und zum Logo-Wettbewerb auf der Webseite der Frankfurter Schirn

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