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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.11.2019

Fridays for Future trifft auf Black FridayKonsumverzicht gegen Rabattschlacht

Sighard Neckel im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Demonstranten der Fridays for Future Bewegung demonstrieren am 22.11.2019 in Frankfurt für den Klimaschutz (imago images / Michael Schick)
Politisches Handeln werde von unserer Vorstellung von der Zukunft geprägt, sagt Soziologe Sighard Neckel. (imago images / Michael Schick)

Ganz im Gegensatz zu den Umwelt-Zielen der Fridays-for-Future-Bewegung soll der Black Friday den Konsum beflügeln. Spaltet die Nachhaltigkeits-Frage die Gesellschaft? In den USA gebe es Ideen, wie das zu verhindern ist, erläutert Soziologe Sighard Neckel.

An diesem Freitag treffen zwei Events zusammen, die kaum gegensätzlicher sein könnten: Beim der Rabattschlacht am sogenannten Black Friday kreiert vor allem der Online-Handel massenweise Sonderangebote und schürt einen fast schon aberwitzigen Konsum. Zur gleichen Zeit ziehen beim "4. Globalen Klimastreik" der Fridays-for-Future-Bewegung Hunderttausende auf die Straßen, um Konsumverzicht anzumahnen und von ihren Regierungen Lösungen zum Schutz des Klimas zu fordern. Spaltet sich die Gesellschaft in der Frage, wie es der Einzelne mit dem Konsum hält?

"Nicht allein in dieser Frage", sagt der Soziologe Sighard Neckel im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Neckel ist Professor an der Universität Hamburg und beschäftigt sich mit Gesellschaftsanalyse und sozialem Wandel. Er leitet ein Kolleg, das die "Zukünfte der Nachhaltigkeit" erforscht. Dieses Zusammentreffen zeige, dass bislang zum Klimawandel politisch wenig geschehen sei - und auf der anderen Seite die Geschäftsmodelle, die nicht umweltverträglich sind, einfach weitergeführt würden.  

Von den US-Demokraten lernen

Es sei absolut berechtigt, davon auszugehen, dass sich die Konsumformen der Gegenwart verändern müssten, so Neckel. Zugleich müsse es über die Klimapolitik zu einer Verknüpfung der gesellschaftlichen Interessen kommen, damit diese Politik nicht tatsächlich die Gesellschaft spalte. Wie ökonomische Interessen und der Schutz der Umwelt in einem gesellschaftlichen Fortschritt vereint werden können, dafür müsse man in die USA schauen. Dort könne man einiges von den Demokraten um Bernie Sanders lernen. Dieser fordere, einen "Green New Deal" in der Gesellschaft zu verwirklichen.

"Damit ist gemeint, dass die Klimapolitik systematisch mit Sozialpolitik und einer Bekämpfung der sozialen Ungleichheit verknüpft wird."

Für Deutschland bedeute dies, sofort aus der Braunkohleverstromung auszusteigen. Aber Teil eines solchen "Green New Deal" müsste sein, dass diejenigen, die dort beschäftigt sind, eine Beschäftigungsgarantie - wenn auch mit anderen Aufgaben - bekämen.  

Entscheidender Blick auf die Art der Zukunft

Um eine Antwort auf die Frage zu finden, wie wir überhaupt noch zu einer Gesellschaft der Nachhaltigkeit kommen könnten, komme es nicht nur auf das politische und wirtschaftliche Handeln an, so Neckel. Sondern es müsse geklärt werden, von welchen Vorstellungen über die Zukunft sich Menschen leiten ließen:

"Denke ich etwa in einer Fortschrittssicherheit 'Irgendwie werden wir mit all diesen Problemen schon fertig werden' oder richte ich den Blick auf die Kollaps-artigen Zuspitzungen, die im ökologischen System dazu führen können, dass auch menschliche Zivilisationen und deren Zusammenleben schwerwiegend betroffen werden."

Er glaube, so Neckel, dass unsere politischen Handlungen - das, wofür wir jeweils eintreten und was wir für überzeugend halten - ganz wesentlich davon beeinflusst würden, wie wir uns die Zukunft vorstellten. Und welche Schritte wir auf diese, wie auch immer erwünschte Zukunft, hin unternähmen.

(mle/abr)

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