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Kompressor | Beitrag vom 13.08.2019

Fremder RuhmWenn Spotify Schüler mit US-Rappern verwechselt

Maurice Summen im Gespräch mit Shanli Anwar

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Der Rapper Future performt auf dem 50. Ruisrock Festival in Turku, Finnland. (picture alliance / chromorange / Stefan Craemer)
Wer auf Spotify nach dem Rapper Future sucht, findet auch Songs eines 15-jährigen YouTubers aus NRW, der sich ebenfalls Future nennt. (picture alliance / chromorange / Stefan Craemer)

Auch künstliche Intelligenz ist nicht unfehlbar: Spotify verwechselt immer wieder Künstler, die den gleichen Namen tragen. Manche Musiker haben aus dem Verwechslungsspiel ein Geschäftsmodell entwickelt, erklärt Maurice Summen, Gründer eines Musiklabels.

Spotify funktioniert nach einem Algorithmus, der ständig dazulernt. Doch unfehlbar ist er nicht. Zum Beispiel wirft er mitunter Bands mit dem gleichen Namen in den selben Topf. Wenn man nach dem US-Rapper Future sucht, wird einem zwischen den Songs eines millionenfach geklickten Künstlers mit diesem Namen auch der Track "Ausländer 2" empfohlen, der Song eines 15-jährigen YouTubers aus Nordrhein-Westfalen, der sich ebenfalls Future nennt. In dem Song heißt es:

"Ich fang mal an zu erzählen, ich bin 15 Jahre alt. Bin ein Hobby YouTuber und Kenek zugleich. Eines Tages dacht ich mir, ich rappe ein paar Lines und dann kam alles mit der Zeit." 

Wer hier von wem profitiert, ist bei diesen beiden Musikern eindeutig. Maurice Summen, Gründer des Musiklabels Staatsaktes, sagt, solche Verwechslungen passierten recht häufig und seien ein regelrechtes Geschäftsmodell geworden: "Es gibt eine richtige Epigonenschmiede gerade, die das schamlos ausnutzt. In dem man schaut: Was gibt es gerade zu kopieren?"

Müssen Musikernamen also besser geschützt werden? "Das ist wahnsinnig schwierig und markenrechtlich gesehen eine extrem teure Angelegenheit. Mit einem Wort wie Future, also Zukunft, ist das natürlich schwierig. Da müssen Sie schon extrem pfiffige Anwälte haben, um die Zukunft für eine einzige Person zu schützen."

Origineller Inhalt ist noch immer wichtiger als der Name

Weil Google für Bands wichtig ist, müssen sie  entweder über besonders ausgefallene Namen oder originellen Sound glänzen. Letzteres sei noch immer am Wichtigsten, sagt Summen: "Dann ist es auch ein bisschen egal, wie man heißt."

Beispiel Prince: "Wenn man sich heute Prince nennt, wäre das nicht der ultraoriginelle Name. Wenn man das aber mit so viel Leidenschaft, Liebe, Talent und Soul füllt, dann fragt nach ein paar Tagen niemand mehr: 'Wie nennt der sich, Prince?'" Selbiges gelte übrigens für Die Toten Hosen, ein fürchterlicher Name, so Summen.

(aba)

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