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Kompressor | Beitrag vom 05.01.2017

Free-to-Play-Spiele fürs SmartphoneBezahlen statt spielen

Marcus Richter im Gespräch mit Timo Grampes

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Eine Frau berührt mit dem Zeigefinger den Touchscreen ihres Smartphones. (imago / Westend61)
Das "Free-to-Play"-Modell hat die Spielebranche und auch die Spielekultur nachhaltig verändert. (imago / Westend61)

Die meisten Spiele für Smartphones sind heutzutage kostenlos - zumindest am Anfang. Dieses "Free-to-Play"-Modell hat die Spielebranche und auch die Spielekultur nachhaltig verändert, meint unser Spieleexperte Marcus Richter.

"Free to Play" heißen Smartphone-Spiele, die man kostenlos downloaden kann. Während des Spielens treten dann aber immer wieder Situationen auf, in denen man einen Betrag bezahlen muss, um im Spiel schneller oder sogar überhaupt weiterzukommen. Das "Free-to-Play"-Modell findet man vor allem bei Spielen mit Geschicklichkeits- oder Managementcharakter. Solche Spiele dominieren die App-Stores, weil sie stark nachgefragt werden. Obwohl nur etwa fünf Prozent aller Spieler tatsächlich zahlen, ist das Modell ökonomisch sehr erfolgreich. Denn die Spieler, die zahlen, zahlen richtig viel.

"Free to Play" ist sogar so erfolgreich, dass es andere Modelle verdrängt. So gehe die Vielfältigkeit verloren, sagen Niels Boehnke und Carolin Wendt von der "Stiftung Digitale Spielekultur":

Wendt: "Also wenn man an den stereotypen Free-to-Play-Titel denkt, dann macht es für mich teilweise den Sinn des Spieles kaputt."

Boehnke: "Das ist mit Sicherheit ein Verlust. Das zeigt erst einmal, dass das Finanzierungsmodell sehr dominant ist. Ich bin auch der Meinung, dass sich dieses Monetarisierungsmodell gewisse Spielemechaniken erzwingt. (...) "Das Kernelement eines guten Spiels ist immer dieser sogenannte Flow, also ich komm in so 'nen Modus rein zwischen zu schwer und zu leicht und wenn ich da drin bin, dann vergeht die Zeit wie im Flug und Free-to-Play-Spiele versuchen mich da immer wieder rauszureissen."

Dieses Rausreißen nennt man "incovenient design". Dabei wird das Spiel an bestimmten Stellen zerstört oder verschlechtert, um den Spieler zum Zahlen zu motivieren. 

Free-to-Play als Einstieg in die Spielewelt

Michael Benrad von Beardshaker Games, die das Spiel "Fury Zoo" entwickelt haben, hat da eine ganz andere Meinung: 

"Für mich als Designer ist das einfach ein Tool. Ich muss natürlich die Monetarisierung des Spiels im Game-Desing mitbedenken. Die Hauptsache ist einfach, dass es ein cooles Spiel ist und das die Leute das kaufen."

"Fury Zoo" ist ein Spiel, wo man zahlreiche Verbesserungen kaufen kann für insgesamt zwischen 20 und 30 Euro. Über die Hälfte davon gibt man für die Spielfiguren aus, die aber keinen Einfluss auf die Spielmechanik haben.

Entwickler Benrad glaubt, das "Free-to-Play" nur ein Monetarisierungsmodell unter vielen ist. Es habe gerade seine Hochzeit, aber das werde auch wieder abnehmen und sich ans Publikum anpassen. 

"Eventuell findet aber auch eine Spielekultivierung statt, also dass Leute, die nie Spieler waren, über Free-to-Play gewonnen wurden, vielleicht auch mal Vollpreisspiele zu spielen, vielleicht Qualitätsbewusstsein entwickeln und dann auch eine ganz andere Erwartungshaltung haben."

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