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Kommentar | Beitrag vom 12.06.2019

FrauenfußballSchluss mit der Nörgelei über all die angeblichen Vorurteile!

Von Thomas Wheeler

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Eine Frau geht an einem Banner für die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich 2019 am Stadion Roazhon Park vorbei. (dpa / picture alliance / Sebastian Gollnow)
Natürlich gibt es auch 2019 noch Männer, die mit Frauenfußball nichts anfangen können und kräftig lästern, sagt Thomas Wheeler: Doch das müsse man aushalten. (dpa / picture alliance / Sebastian Gollnow)

Die Rede von den angeblich massenhaft vorhandenen Vorurteilen gegenüber dem Frauenfußball muss aufhören, fordert unser Sport-Redakteur Thomas Wheeler. Denn schließlich habe sich einiges getan. Zudem werde Fußball wohl immer ein Männersport bleiben.

Wissen Sie was? Ich kann' s nicht mehr hören, dieses ständige Rumgenöle von den angeblich so massenhaften Vorurteilen hierzulande gegenüber Frauenfußball. An alle Vertreterinnen, die immer nur rummeckern: Meint ihr wirklich, die Öffentlich-Rechtlichen würden alle 52 Spiele der Weltmeisterschaft in Frankreich live übertragen, wenn es um die Akzeptanz der Fußball spielenden Frauen bei uns so schlecht bestellt wäre?

Muss diese mediale Dauerberieselung wirklich sein?

Basketballerinnen, Hockeyspielerinnen, Handballerinnen und auch Volleyballerinnen, die auf Spitzenniveau spielen, wären froh, wenn ihnen nur ein Teil dieser medialen Aufmerksamkeit geschenkt würde. Selbst Fußball begeisterte Frauen fassen sich an den Kopf und fragen, muss diese mediale Dauerberieselung wirklich sein?

Denkt doch mal nach. Natürlich gibt es auch 2019 noch Männer, die mit Frauenfußball nichts anfangen können und kräftig lästern. Na und?! Lässt sich das nicht aushalten? Gibt es nicht genauso viele Frauen, die sich lustig machen, wenn Männer Ballett tanzen?

Schluss mit der moralinsauren Political Correctness!

Macht endlich Schluss mit dieser ewigen moralinsauren Political Correctness! Frau, wir leben nicht mehr 1970, als der DFB sein Jahrzehnte währendes Frauenfußball-Verbot endlich aufhob, und Wim Thoelke im Aktuellen Sportstudio Fußballerinnen auf den Arm nahm, sie könnten ja ihre Trikots nach dem Spiel auch selber waschen.

Auch 1989 ist inzwischen 30 Jahre her, als jede deutsche Nationalspielerin für den ersten EM-Titel ein Kaffeeservice bekam. Für den WM-Titel würde jede Nationalspielerin 75.000 Euro Siegprämie bekommen. Natürlich ein Klacks, im Vergleich zu dem, was sich die Männer in die Tasche stecken könnten, wenn sie Weltmeister werden. Das ist die eigentliche Benachteiligung.

Fußball – ein Männersport

Dennoch: Die Zeiten haben sich mächtig geändert. Und das ist auch in Ordnung, denn Stillstand ist Rückschritt.

Andererseits: In den meisten europäischen Ländern und vermutlich auch weltweit, wird Fußball wahrscheinlich immer ein Männersport bleiben. Das ist historisch so gewachsen, ob es nun gefällt oder nicht. Trotzdem gibt es auch bei uns jede Menge Mädchen und Frauen, die gerne kicken. Nehmt das doch einfach mal so hin und gut ist.

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