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Kompressor | Beitrag vom 29.01.2019

Frauenbild in den Sozialen MedienMehr als Handarbeit und Schminktipps

Maria Popov im Gespräch mit Azadê Peşmen

Schmink-Utensilien vor wertigem Ambiente. (Raphael Lovaski/Unsplash)
"Schminken ist ja auch ein tolles Handwerk", sagt Journalistin Maria Popov. (Raphael Lovaski/Unsplash)

Nähen, Schminken, Schön-Aussehen: In vielen erfolgreichen Youtube-Formaten herrscht ein Frauenbild wie aus den 50ern vor. Eine neue Studie bestätigt diesen Eindruck. Die Gründe dafür liegen in den Machtstrukturen, sagt Journalistin Maria Popov.

Eine von der MaLisa Stiftung in Auftrag gegebene Studie über weibliche Selbstinszenierungen in den neuen Medien hat herausgefunden, dass das Frauenbild in sozialen Netzwerken ziemlich einseitig ist: Frauen geben Schminktipps, sehen meist normschön und makellos gut aus. Männer hingegen decken ein größeres Themenspektrum ab und bei ihnen ist es auch ziemlich egal, ob sie dick oder dünn sind, oder wie gut sie aussehen.

Weiße Männer treffen die Entscheidungen

Maria Popov ist Redakteurin und Moderatorin des feministischen Youtube-Magazins "Auf Klo", das zum öffentlich-rechtlichen Programmangebot "Funk" gehört. Sie findet die Ergebnisse zwar "schockierend", wenn auch nicht überraschend. Bei der Einschätzung müsse man allerdings auch die "Machtstrukturen" im Blick haben, erklärte sie im Deutschlandfunk Kultur:

"Wo sind die Menschen, die entscheiden, wer gefeatured wird? Wer bekommt Geld für seine Arbeit, mit welchen Werbefirmen darf wer besonders kooperieren?" Es seien vor allem weiße Männer, die diese Entscheidungen treffen, so Popov im weiteren. Dass hier traditionellere Vorstellungen herrschen ist für sie "eindeutig".

Das Potenzial von Social Medien

Der niedrigschwellige Zugang zu Instagram und Youtube sei allerdings ein erheblicher Vorteil der neuen Medien, erklärte Popov. Diese Kanäle stünden allen Personen, allen Minderheiten offen, um eigene Inhalte zu schaffen. Dieser Aspekt gehe in der allgemeinen Medienkritik mitunter ein wenig unter.

Insbesondere für Jugendliche seien die sozialen Medien eine Möglichkeit zum Austausch und zur kreativen Selbstverwirklichung. "Trotzdem sind wir natürlich noch lange nicht da angekommen, wo man mal hinsoll, nämlich zur Gleichberechtigung."

Mehr Unterstützung für Minderheiten und Frauen

Popov plädiert daher dafür, Minderheiten und Frauen finanziell zu unterstützen. "Es gibt so viele Youtube-Kanäle von Frauen, die unglaublich tolle Sachen machen. Diese Menschen werden aber nicht gehört, weil sie von den Plattformen nicht gepusht werden."

Wie sieht ein solcher Anspruch im eigenen Youtube-Format "Auf Klo" aus? "Unser Ansatz ist eigentlich nicht der, zu sagen, oh Schminken ist aber uncool, Rosa zu tragen, davon solltet ihr euch auf jeden Fall entfernen." Vielmehr wolle man Dinge ansprechen, die selten thematisiert würden, und Menschen eine Plattform bieten, die ansonsten zu wenig gehört würden, so etwa intergeschlechtliche Menschen, die in den Youtube-Videos von "Auf Klo" von ihren Erfahrungen berichten.

(thg)

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