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Die Reportage / Archiv | Beitrag vom 22.09.2013

Frau Lonn wird arm

Familienpflege als soziale Sackgasse

Von Elin Rosteck

Die häusliche Pflege verlangt Angehörigen oft alles ab. (AP)
Die häusliche Pflege verlangt Angehörigen oft alles ab. (AP)

Renate Lonn aus Hagen-Wehringhausen wird arm sein im Alter. Das weiß sie jetzt schon, mit Mitte 50. Ihr Rentenanspruch ist minimal, denn sie hat sieben Jahre lang ihre demente Mutter gepflegt, rund um die Uhr. Die ist nun mit 92 Jahren gestorben und Renate Lonn muss ihr Leben neu ordnen.

Menschen wie sie, die über Jahre Höchstleistungen in der Pflege von Familienangehörigen erbracht haben, fallen in ein tiefes Loch und es gibt keine Hilfsangebote, die über das hinausgehen, was jeder Arbeitslose erhält: Angebote vom Jobcenter, z.B. in der Altenpflege.

Renate Lonn wollte ihre Mutter nicht allein lassen und hat sich entschieden, das eigene berufliche Fortkommen der Pflege der Mutter unterzuordnen. Heute fühlt sie sich dafür bestraft. Was soll werden, wenn sie selbst mal alt ist? Wovon soll sie leben? Wer wird sich um sie kümmern? Sie will, dass die Arbeit von pflegenden Familienangehörigen bezahlt und auf die Rente angerechnet wird. Sie ist nicht allein. Wie ihr geht es vielen tausenden von pflegenden Angehörigen.

Elin Rosteck (NDR / Andreas Garrels)Elin Rosteck (NDR / Andreas Garrels)Elin Rosteck: "Ich ziehe echt den Hut, mit wie viel Mut und Hingabe sich Renate Lonn ihrer Mutter zuwandte. Für null Euro und auch für null Anerkennung. Frau Lonn ist arm geworden über die Pflege, und ich weiß jetzt: das kann jedem passieren, mir auch."

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