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Tonart | Beitrag vom 19.03.2015

Französische Arien"Es ist so wie beim Impressionismus"

Piotr Beczala im Gespräch mit Mascha Drost

Der Sänger Piotr Beczala besuchte uns in der Sendung "Tonart". (Deutschlandradio - Philipp Eins)
Fasziniert von französischen Arien: Der Sänger Piotr Beczala besuchte uns in der Sendung "Tonart". (Deutschlandradio - Philipp Eins)

Der Pole Piotr Beczala ist einer der weltbesten Tenöre und eigentlich im italienischen Fach zuhause. Doch nun hat er ein Album mit Arien aus französischen Opern aufgenommen und schwärmt von deren Eleganz: Sie erinnere ihn an die Farbpalette französischer Impressionisten.

Natürlich: Wenn ein polnischer Sänger von der Verbindung zwischen Polen und Frankreich, von der Musik, die in beider Sprachen mitklingt, spricht, denkt man sofort auch an den Wahlffranzosen Frédéric Chopin. Der Tenor Piotr Beczala  jedoch, sonst eher in italienischen Opern zuhause, widmet sein Album "The French Connection" den  Arien von französischen Komponisten wie Gounod oder Massenet - Komponisten, die für Beczala Inbegriff einer typisch französischen Eleganz sind:

"Das heißt: Es ist weniger auf ein Klangspektrum, auf eine bestimmt Klangattacke konzentriert wie in anderen Musikstilen, sondern es geht mehr um eine Farbenpalette. Es ist so wie beim Impressionismus: Ein bisschen wenig konkret, aber viele Farben und Schattierungen. Und das ist das Wichtigste daran, glaube ich."

Die Sprache beeinflusst den Gesangstil

Interessanterweise kämen diese Klänge, diese Farben und Schattierungen auch in Verdis oder Donizettis Opern vor, wenn diese im Auftrag der Pariser Oper komponiert hätten. "Da ändert sich auch die Herangehensweise des Komponisten, weil die Sprache anders ist und die Phrasierung anders gestaltet wird. Und der Sänger ist gewissermaßen gezwungen, anders zu singen." Denn anders als etwa im Italienischen geben es keine konkreten, sondern nasale Vokale.

Beczala sagte weiter: Für französische Opern singe er sich vor dem Auftritt demzufolge auch anders ein als für italienische oder deutsche Opern. Ist es da nicht eine große Herausforderung, wenn man innerhalb des Repertoire-Betriebs an der Oper an einem Abend den italienischen Rodolfo singe, am nächsten den Tamino und am übernächsten einen Helden von Gounod? Dazu meint Piotr Beczala: Eben dies wüssten die Gestalter des Opern-Spielplans genau - und würden darauf achten, dass es nicht passiere.

"The French Connection"
Piotr Beczala mit dem Orchestre de l'Opera National de Lyon / Alain Altinoglu
Deutsche Grammophon, 2015

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