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Konzert / Archiv | Beitrag vom 30.04.2021

Franz Liszt und WeimarErfolgreicher Abschied vom Virtuosenleben

Moderation: Stefan Lang

Nachkoloriertes Foto des älteren Mannes mit schulterlangem, weißem Haar. (IMAGO / Leemage)
Franz Liszt zog sich in das kleine Weimar zurück, um sich auf das Komponieren konzentrieren zu können. (IMAGO / Leemage)

Franz Liszt lebte lange in Weimar, komponierte und unterrichtete dort. Die Staatskapelle der Stadt spielt auch darum häufig seine Werke. Zwei der Sinfonischen Dichtungen rahmen diesmal das poetisch-romantische Klavierkonzert seines Schülers Hans Bronsart von Schellendorf.

Die Staatskapelle Weimar spielt natürlich häufig die Werke des als Klaviervirtuosen bekannt gewordenen Franz Liszt, der sich 1848 in Weimar niedergelassen hatte.

Damit gab er sein Leben eines reisenden Virtuosen auf, um mit seiner Lebensgefährtin Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein in einer kleineren Stadt mehr Konzentration fürs Schreiben zu finden. Zudem war Franz Liszt bis 1861 auch Dirigent, Musikorganisator und Oberleiter der Hofkapelle in Weimar. Und es fand sich eine große Schar von Schülern um Liszt.

Charakterbild des klassischen Sängers

Der Abend beginnt mit Franz Liszts 4. Sinfonischer Dichtung "Orpheus". Liszt nahm die Geschichte um Orpheus auf: Der geniale Lautespieler der Antike, der mit Hilfe seiner Musik die Möglichkeit erhielt, in die Unterwelt zu steigen, um seine Frau Euridike zu retten. Doch der Plan misslang, sie musste zurück, und Orpheus blieb zum Trost nur noch die Musik.

Franz Liszt wollte bei seinem "Orpheus" Literatur und Musik zu einer Synthese zusammenführen, eine Art Charakterbild des klassischen Sängers schaffen. Er hat dabei das Geschehen nicht nacherzählt. Liszt ging einen Schritt weiter: Er verarbeitete die Geschichte zu einem Stück, das an sich von der Macht der Musik erzählt. 

Schellendorfs Unterricht bei Liszt

Wer bei Liszt Unterricht suchte, hatte zwei Karriereziele: ein Spitzenpianist zu werden und/oder dem Komponieren näher zu kommen. Hans Bronsart von Schellendorf verfolgte genau diese beiden Ziele, obwohl der 1830 Geborene aus einer preußischen Offiziersfamilie stammte. Einer seiner Brüder wurde gar Kriegsminister. Seit ungefähr 1850 nahm er Unterricht bei Liszt.

Blick in den Musiksalon im Liszt-Haus in Weimar mit Flügel, Klavier und markanten, bunt gestreiften Fenstervorhängen. (picture alliance / dpa | Michael Reichel)In diesem Musiksalon unterrichtete Liszt oft in der Gruppe. Jeder Schüler durfte dabei dem anderen zuhören. (picture alliance / dpa | Michael Reichel)

Dabei kam er mit all den Weimarer Kollegen Liszts in Kontakt und lernte so Wagner, Berlioz, Hans von Bülow und auch Johannes Brahms kennen. Schellendorfs pianistisches Können belegte er mit der Uraufführung des zweiten Klavierkonzertes seines Lehrers Liszt. Doch seine eigenen Klavierkonzerte sind vollends unbekannt. Das in fis-Moll ist ein vollromantisches Konzert, das von melodiös bis virtuosen Einfällen nur so sprüht. Es wird Zeit, dieses Konzert wieder zu spielen, sagt auch der Pianist Oliver Triendl, der das Werk aufspürte.

Geplante Hochzeitsklänge

Danach folgen die "Festklänge" von Franz Liszt, auch in Weimar entstanden, 1853 abgeschlossen und am 9. November 1854 uraufgeführt.

Eigentlich sollte es eine Hochzeitsmusik sein – für die eigene mit seiner Gefährtin Fürstin Caroline zu Sayn-Wittgenstein. Diese kam aber nie zustande. Zuerst kämpften sie um eine Scheidung der adligen Frau, dann um die Erlaubnis der katholischen Kirche, sich wieder verheiraten zu dürfen – eine unendliche Geschichte, die das Paar schließlich nicht überstand. An der Musik aber hielt Franz Liszt fest. 

Live aus dem congress centrum weimarhalle in Weimar

Franz Liszt
Orpheus. Sinfonische Dichtung Nr. 4

Hans Bronsart von Schellendorf
Klavierkonzert fis-Moll op. 10

Franz Liszt
Festklänge. Sinfonische Dichtung Nr. 7

Oliver Triendl, Klavier
Staatskapelle Weimar
Leitung: Eugene Tzigane   

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