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Interview / Archiv | Beitrag vom 14.03.2019

Frank Richter über Sachsen"Ein selbstbewusstes Völkchen" mit dem Hang, Fremdes abzulehnen

Frank Richter im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Luftbildaufnahme der Dresdner Altstadt am Abend. Im Vordergrund viele Baumkronen, im Hintergrund Gebäude. (imago / Steffen Kuttner)
Der Ex-Bürgerrechtler und parteilose Politiker Frank Richter warnt vor einem Erstarken der Neuen Rechten. (imago / Steffen Kuttner)

Angesichts von rechtsextremen Umtrieben und rassistisch motivierter Gewalt fragt der Theologe und parteilose Politiker Frank Richter in seinem neuen Buch: Gehört Sachsen noch zu Deutschland? Seine Antwort: Ganz bestimmt, aber ...

Kommunalwahlen, Europawahl und dann noch ein neuer Landtag - Sachsen steht 2019 ein Super-Wahljahr bevor. Der Theologe und frühere Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, rechnet für diese Wahlen mit einem Erstarken der Neuen Rechten. "Das hat das Land nicht verdient, das brauchen wir auch nicht", sagte er im Deutschlandfunk Kultur. Sein neues Buch "Gehört Sachsen noch zu Deutschland?" möchte er als "Warnsignal" verstanden wissen: "Leute, das geht jetzt gerade wohl in die falsche Richtung."

Frank Richter in einer Interview-Situation. Richter war jahrelang Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen. (imago stock&people)Frank Richter, Bürgerrechtler und Ex-CDU-Mitglied: Ernüchternde Erfahrungen im Wahlkampf (imago stock&people)

Ex-CDU-Mitglied Richter kandidiert selbst bei der Landtagswahl - als Parteiloser für die SPD. Im vergangenen Jahr hatte sich Richter bereits für das Oberbürgermeisteramt in Meißen beworben und war knapp dem Amtsinhaber Uwe Raschke (CDU) unterlegen.

In seinem Buch schildert er Erfahrungen aus dem Straßenwahlkampf: "Ich glaube keinem Politiker mehr etwas" oder "Ich bin der Fußabtreter der Nation". Solche Sätze habe man ihm vor die Füße geworfen:

"Wir haben es in großen Teilen gerade der älteren Generation mit ziemlich viel Verbitterung zu tun", sagte Richter. Wenn diese Verbitterung bei der Politik abgeladen werde, sei das zwar nicht immer fair: "Aber diese Stimmung ist doch dann auch politisch relevant."

Die Neigung, das Fremde abzulehnen

Sein Buch wolle nicht entschuldigen, aber erklären, warum dieses "selbstbewusste Völkchen", zu dem er gern gehöre, manchmal eine Schattenseite habe: "Nämlich die Neigung, das Fremde abzulehnen, andere vielleicht sogar auch auszugrenzen, manchmal auch ein bisschen zu sehr auf sich selbst zu schauen, selbstbezogen zu sein."

Doch auch wenn im Land manches vielleicht ein bisschen anders sei: "Sachsen gehört ganz bestimmt zu Deutschland."

(uko)

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