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Interview / Archiv | Beitrag vom 03.03.2017

Frank Castorf und die VolksbühneMit Intelligenz und künstlerischer Unverschämtheit

Frank Baumbauer im Gespräch mit André Hatting

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 Der Theaterregisseur Frank Castorf.  (imago/Lichtgut)
Theaterregisseur Frank Castorf. (imago/Lichtgut)

Was kommt nach Frank Castorf? Sein Theater der Maßlosigkeit sei einzigartig, sagt Frank Baumbauer, selbst ein renommierter Theaterintendant. Castorf und seine Crew hätten sich in all den Jahren ihre Frische erhalten. Dennoch sei es richtig, nun mit Chris Dercon etwas Neues zu beginnen.

Frank Castorf verlässt nach 25 Jahre als Intendant die Berliner Volksbühne. Er habe die Volksbühne zu einem Pilgerort für alle Theaterbegeisterten gemacht, sagt ein anderer Frank - Frank Baumbauer. Der gilt selbst als einer der wichtigsten Theaterintendanten im deutschsprachigen Raum (unter anderem Deutsches Schauspielhaus in Hamburg, Münchner Kammerspiele). Der gebürtige Münchner sagt: "Diese Wucht und diese Vehemenz, diese künstlerische Unverschämtheit von Frank und diese Intelligenz seiner ganzen Crew - die war einzigartig im Theater. Und dass das bis heute gehalten hat, hätte eh kein Mensch gedacht."

Oft kopiert, aber unerreicht

Zwar habe jeder damit gerechnet, dass in all den Jahren auch mal eine Flaute komme - die habe es sicherlich zwischenzeitlich  an der Volksbühne gegeben. "Aber eigentlich sind die in 25 Jahren ziemlich jung geblieben." Frank Castorf und seine Volksbühne - das sei ein Unikat: oft kopiert, aber unerreicht.

Castorfs Theater stehe auch für Rausch und Maßlosigkeit, sagt Baumbauer - und vergleicht den Besuch eines sechs- bis achtstündigen Theaterabends an der Volksbühne mit der Fahrt eingefleischter Wagner-Fans zu den Bayreuther Festspielen. 

Anders als viele seiner Kollegen sieht Frank Baumbauer den Wechsel an der Volksbühne von Castorf zu dem umstrittenen Chris Dercon als Chance für etwas Neues. Wichtig sei jedoch, dass Dercon das Publikum und vor allem auch die bewährten Volksbühnen-Mitarbeiter mit auf seinen Weg nehme. Dercons Bemerkung, das deutsche Theater sei proviniziell, findet Baumbauer dagegen absurd.

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