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Tonart | Beitrag vom 17.01.2019

Françoise Hardy wird 75Gallionsfigur der Generation Yeye

Von Susanne Wachs

Françoise Hardy (2004) (picture-alliance / dpa / Abaca)
Sogar die Beatles oder Mick Jagger schwärmten für sie: die französische Sängerin Françoise Hardy. (picture-alliance / dpa / Abaca)

Als junges Mädchen wurde Françoise Hardy in den 60ern bekannt. Nun feiert die französische Chanson-Sängerin ihren 75. Geburtstag. Ihr im vergangenen Jahr veröffentlichtes Album soll ihrem eigenen Wunsch nach ihr letztes sein.

Unverwechselbar ist ihre Musik, heute genauso wie vor über 50 Jahren, denn ihre Chansons sind authentisch und nie beliebig. Musik machen wollte sie schon immer, auch wenn es in ihrer Familie keine Tradition hatte.

Am 17. Januar 1944 kommt Françoise Madelaine Hardy in Paris zur Welt. Die Mutter ist Buchhalterin und zieht ihre beiden Töchter alleine groß. Der Vater kümmert sich eher selten um seine beiden unehelichen Töchter. 

Eine Gitarre als Geburtstagsgeschenk

Als Françoise zum Abitur zugelassen wird, kann sie sich ein Geschenk vom Vater wünschen:

"Ich war unentschlossen, ob ich ein Transistorradio oder eine Gitarre wollte. Und bis heute weiß ich nicht, was schließlich dazu geführt hat, dass ich mich für die Gitarre entschieden habe, statt für das kleine Radio."

Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt Françoise Hardy, die im Jahr 1969 neben Serge Gainsbourg auf der Rücksitzbank eines Autos sitzt. (picture alliance / akg-images / Hugues Vassal)Gespräch unter Kollegen: Françoise Hardy mit Serge Gainsbourg im Taxi (1969). (picture alliance / akg-images / Hugues Vassal)

 Für Françoise Hardy ist es eine Entscheidung, die ihr Leben zu ihrem Leben macht. Sie, die sehr spirituell ist, nennt es Fügung. Nach dem Abitur studiert sie Germanistik an der Pariser Sorbonne und nimmt nebenbei Gesangsunterricht und mit den paar Akkorden, die sie auf der Gitarre spielen kann, schreibt sie eigene Lieder. Musik fasziniert sie schon als Jugendliche, erklärt sie in einem Interview beim französischen Fernsehsender France O:

"Ich hab mich immer für das interessiert, was ich im Radio gehört habe. Weil ich Partituren von Chansons gekauft habe, von Bécaud und Brel, ich war vielleicht 16 Jahre alt und da bin ich per Zufall auf einen englischen Radiosender gestoßen, der nonstop englische Pop-, Rock- und Country-Musik sendete, und da war ich Feuer und Flamme für die Shadows, Cliff Richard aus England und Elvis Presley aus Amerika - und ich hab mich nur noch dafür interessiert."

Bereits als Teenager hatte sie ihren ersten Plattenvertrag

1961 unterschreibt Françoise Hardy ihren ersten Plattenvertrag. Es ist die Zeit des YeYe, der Beatmusik in Frankreich. Die Schallplattenfirmen suchen ein weibliches Pendant zu Johnny Hallyday und sehen in dem hübschen jungen Mädchen mit langen braunen Haaren eine zukünftige Pop Ikone.

"T'ous les les garçons et les filles" ist ein Chanson über Jungen und Mädchen auf der Suche nach der großen Liebe und es ist die B-Seite der ersten Single. Das Lied wird nicht nur zum Hit, es wird die Hymne einer ganzen Generation: der Génération Yeye und der Beginn einer unglaublichen Karriere.

1963 startet Françoise Hardy für Monaco beim Grand Prix Eurovision de la Chanson. Sie räumt etliche Musikpreise ab und berühmte französische Kollegen schreiben Lieder für sie.
 
"Zuerst war da Serge Gainsbourg, der den Instrumental 'Hurt to say good bye' aus Amerika für mich adaptierte und er hat diesen Text geschrieben, den auch nur er so schreiben konnte damals: 'Comment te dire adieu', mit all diesen Reimen auf ex."

Wegen Lampenfieber ging sie nicht mehr auf Tournee

Hardy feiert große Erfolge auch im Ausland, sogar die Beatles oder Mick Jagger schwärmen für sie. Hierzulande hat sie eine eigene Fernsehsendung, produziert von Truck Branss, Bravo wählt sie 1966 unter die beliebtesten Sänger und mit deutschsprachigen Liedern feiert sie ebenfalls große Erfolge.

Studioproduktionen sind das eine, Auftritte vor Publikum das andere. Françoise Hardy leidet unter Lampenfieber und beschließt, ab den frühen Siebzigern nicht mehr auf Tournee zu gehen. Erfolgreich bleibt sie trotzdem.

1981 heiratet sie den französischen Sänger Jacques Dutronc, mit dem sie seit 1967 liiert ist. 1973 kommt Sohn Thomas Dutronc zur Welt. Ihre größten Erfolge feiert sie bis Ende der Achtziger und selbst ab dann sind ihre Alben, die sie jetzt seltener produziert, sehr erfolgreich, so auch ihr aktuell 24. Studioalbum "Personne d’autre". Inspiriert durch einem Titel der finnischen Gruppe "Poets of the Fall" produziert sie ein wunderschönes Album und  begeistert erneut die Musikwelt. Französische Popmusik vom feinsten, zeitlos, authentisch und nie beliebig. Bonne anniversaire, Madame Françoise Hardy.

Tonart

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