Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Sonntag, 16.12.2018
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Kompressor | Beitrag vom 04.05.2015

Frage des TagesWarum ist Ihre Kunst kriminell?

Amélie Deuflhard im Gespräch mit Max Oppel

Podcast abonnieren
Der Sprecher der Lampedusa-Gruppe, Asuquo Udo, und Esther Olaide Olokodena, Mitglied der Gruppe, vor dem Kunstprojekt und Flüchtlingsquartier "Ecofavela" auf Kampnagel in Hamburg.  (dpa/picture alliance/Malte Christians)
Vor dem Kunstprojekt und Flüchtlingsquartier "Ecofavela" auf Kampnagel in Hamburg: der Sprecher der Lampedusa-Gruppe, Asuquo Udo (r.), und Esther Olaide Olokodena (l.), ebenfalls Mitglied der Gruppe (dpa/picture alliance/Malte Christians)

Gegen die Hamburger Theatermacherin Amélie Deuflhard wird ermittelt. Die Intendantin der Kulturfabrik Kampnagel war bereits im Dezember 2014 von der Partei Alternative für Deutschland (AfD) angezeigt worden. Der Grund: Ein Kulturprojekt mit Flüchtlingen.

Der Vorwurf gegen Deuflhard lautet: "Beihilfe zum Verstoß gegen das Aufenthaltsrecht für Ausländer".

Die Kulturfabrik hatte fünf Afrikanern der Gruppe "Lampedusa in Hamburg" im Rahmen des Kunstprojekts "Ecofavela Lampedusa Nord" auf ihrem Gelände Unterkunft und Beschäftigung geboten. Die Flüchtlinge waren über Italien nach Deutschland gelangt sind und hatten bislang erfolglos als Gruppe ein Bleiberecht gefordert.

Sie selbst sei über die Ermittlungen bisher nur aus der Presse informiert worden, sagte Deuflhard im Deutschlandradio Kultur:

"Nein ich habe noch nie etwas von der Staatsanwaltschaft gehört – alles ging immer nur über die Medien, (...) die Information, dass gegen mich ermittelt wird, ging an Journalisten und nicht an mich persönlich. Sehr ungewöhnlich, aus meiner Sicht."

Das Kunstprojekt sei für sie eine "soziale Skulptur, daran gibt es für mich überhaupt keine Zweifel". Zudem hätten auch andere Institutionen und der Senat Flüchtlinge mit ungeklärtem Status unterstützt:

"Ich bin ja nicht die Einzige, die Flüchtlingen in Hamburg Winterquartiere zur Verfügung gestellt hat. Selbst der Hamburger Senat hat Quartiere, auch für Flüchtlinge, die nicht im Verfahren sind, zur Verfügung gestellt – die Kirchen, jede Menge Initiativen und auch Privatmenschen. Wenn das die Frage ist, die die Staatsanwaltschaft am meisten interessiert, wäre meine Gegenfrage: Sollen wir Flüchtlinge, die noch nicht in einem Verfahren sind, im Winter erfrieren lassen? Oder sollen wir ihnen Unterkunft geben?"

Außerdem betonte Deuflhardt, dass es derzeit insgesamt noch sehr viele ungeklärte Fragen in Bezug auf die vielen Flüchtlinge in Europa gebe:

"Ich hoffe, dass die Konsequenz mittelfristig ist, dass die europäische Gesetzgebung überprüft werden muss, das ist auch kein Hamburger Problem. Es gibt so viele Defizite in Bezug auf Flüchtlingspolitik. Auch die Lampedusa-Gruppe in Hamburg, die waren nicht freiwillig hier, sondern wurden von der italienischen Regierung ins Flugzeug gesetzt – gegen EU-Recht."

Mehr zum Thema:

Strafanzeige gegen Kampnagel - Ein Kunstprojekt, kein Flüchtlingsheim
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 08.12.2014)

Performance auf Kampnagel - Verweigern lernen
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 11.12.2014)

Kampnagel Hamburg - Theater zwischen Sauna und Zelten
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 28.09.2014)

Leben auf Lampedusa - Das Leid der Flüchtlinge und das Leid der Bewohner
(Deutschlandfunk, Europa heute, 19.02.2015)

"Ecofavela Lampedusa-Nord" - Soziales Labor und Begegnungsstätte
(Deutschlandfunk, Corso, 08.12.2014)

Schicksal - Lampedusa in Tel Aviv
(Deutschlandfunk, Das Feature, 10.10.2014)

Flüchtlinge - Trügerische Ruhe auf Lampedusa
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 02.10.2014)

Fazit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur