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Kompressor | Beitrag vom 16.10.2014

Frage des TagesMacht Social Freezing Frauen selbstbestimmter?

Gespräch mit Heide Oestreich von der Tageszeitung ("taz")

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Ein Baby auf einem Computerbildschirm im Büro (dpa / picture alliance / Jens Büttner)
Büro und Baby, Job und Familie: Für viele Eltern ist das ein ständiger Balanceakt. (dpa / picture alliance / Jens Büttner)

Facebook und Apple übernehmen in den USA die Kosten, wenn ihre Mitarbeiterinnen ihre Eizellen einfrieren lassen. Das Ziel der beiden Konzerne: Die Frauen sollen zunächst Karriere machen und dann Kinderkriegen. Die Frauen können unbefruchtete Eizellen entnehmen und sie erst nach Jahrzehnten wieder auftauen. Social Freezing heißt die Methode.

"Weil ich jetzt gerne Karriere machen möchte, meine Eizellen aber immer weniger und unfruchtbarer werden, lasse ich sie vorsorglich einfrieren, um später auf sie zurückzugreifen. Mein Arbeitgeber bezahlt mir den Eingriff, der wahlweise als Social Freezing oder auch "egg freezing" bezeichnet wird", so oder so ähnlich könnte es in der Gedankenwelt einer jungen Mitarbeiterin von Apple oder Facebook aussehen. 

Ist das ein Scherz aus dem Silicon Valley oder könnte das Schockgefrieren von Eizellen zum Standardprozedere werden? Bekommt die Frau mit dieser Methode mehr Kontrolle über ihren Körper und über den Zeitpunkt des Kinderkriegens? Vor allem: Macht Social Freezing Frauen selbstbestimmter?

Das Social Freezing sei keine ausgereifte Methode, sagte Heide Oestreich, "taz"-Redakteurin für den Bereich Geschlechterpolitik, im Deutschlandradio Kultur. Die Erfolgsaussichten hingen von sehr vielen Faktoren ab:

"Unter anderem davon, wie alt die Frau dann nachher ist, wenn sie die eingefrorene Eizelle wieder eingepflanzt haben möchte. Auch davon, wie alt die Frau war, als die Eizellen entnommen wurden. Also es gibt Frauenärzte, die sagen: 'Mit über 25 Jahren hat das gar keinen Sinn mehr.'"

Das Verfahren sei als Standardbehandlung nicht geeignet, betonte Oestreich. Bisher lägen auch noch keine genauen Zahlen zu den Erfolgsquoten vor:

"Nur zwischen 25 und 30 Prozent der Behandlungen klappen überhaupt. Deshalb ist es natürlich kein großer Fortschritt. Es ist eher so etwas wie die allerletzte Möglichkeit, wenn es sonst gar nicht mehr gehen würde. Man eröffnet sich sozusagen die kleine Tür einer kleinen Chance, dass es vielleicht doch noch klappt mit dem späteren Kinderwunsch."

Beim Social Freezing handele es sich um eine "Mogelpackung", findet Oestreich. Die Biologie sei bis jetzt noch nicht zu überlisten:

"Es wäre natürlich toll, wenn es ginge. Das wäre ein feministischer Traum. Aber die Realität sieht im Moment noch ein bisschen anders aus."

 

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