Donnerstag, 05.12.2019
 

Kompressor | Beitrag vom 29.09.2015

Frage des TagesKommt das Kopftuch im Mainstream an?

Kübra Gümüsay im Gespräch mit Timo Grampes

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Muslimische Studentin mit Kopftuch während des Galaabend im Auswärtigen Amt Berlin zugunsten des Studiengangs „European Studies". (picture alliance / Andreas Keuchel)
Muslimische Studentin während eines Galaabends im Auswärtigen Amt in Berlin: Großbritannien stehe Frauen mit Kopftuch sehr viel offener gegenüber als Deutschland, meint die Bloggerin Kübra Gümüsay. (picture alliance / Andreas Keuchel)

In einem H&M-Video wirbt derzeit auch eine Frau mit Kopftuch. Lehrerinnen, Polizistinnen oder Journalistinnen mit Hijab - in England sei das bereits selbstverständlich, kommentiert die Bloggerin Kübra Gümüsay. Sie glaubt, dass die Entwicklung in Deutschland in eine ähnliche Richtung gehe.

H&M präsentiert derzeit ein Werbevideo, in der auch eine Frau mit modischem Kopftuch einen Auftritt hat. Auf dieses Video nimmt ein Artikel im britischen "Guardian" Bezug und beschreibt euphorisch eine Entwicklung in Großbritannien: So sei das Kopftuch dort mittlerweile im Mainstream der Popkultur ankommen.

Wird H&M also demnächst eine eigene Kopftuch-Kollektion herausbringen?
Und wie sieht es vergleichsweise in Deutschland aus?
Gehört das Kopftuch zur Mainstream-Kultur?

Kübra Gümüsay ist freie Journalistin und Bloggerin, hat lange in England gelebt und sieht - im Vergleich - in Deutschland große Unterschiede im Hinblick auf den Umgang mit dem Kopftuch.

Im Deutschlandradio Kultur bestätigte sie den Eindruck des "Guardian". Im britischen Mainstream sei das Kopftuch schon seit vielen Jahren angekommen.

"Da ist es so, dass es viele Lehrerinnen, Polizistinnen, Staatsanwältinnen, TV-Journalistinnen mit Kopftuch gibt. (...) allgemein, in der Popkultur und im Fernsehen, sind Frauen mit Kopftuch sehr viel präsenter."

Kopftuchträgerinnen als Frauen wie alle anderen

In bekannten Krimis oder Serien kämen Frauen mit Kopftuch vor - "und zwar abseits des Klischees der unterdrückten Frau", sondern als Frauen wie alle anderen "mit ihren Macken und ihren Eigenheiten. und sie veränderten auch die Popkultur".

In Deutschland stehe den Frauen mit Kopftuch der Eintritt in das gesellschaftliche Leben noch nicht in ähnlicher Weise offen. Doch durch die Aufhebung des generellen Kopftuchverbots durch das Bundesverfassungsgericht gehe die Entwicklung in eine ähnliche Richtung. Kopftuch tragende Frauen bekämen Zugang zu mehr Berufen.

So werde die Kopftuchträgerin "immer mehr zu einem Gesicht", bei dem die Kopfbedeckung nicht mehr das Hauptmerkmal der Person sei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die afghanische Politikerin Schukria Barakzai machen ein Selfie; Aufnahme vom 16. September 2015 (dpa/Wolfgang Kumm)Wann kommen Kopftuchträgerinnen auch in Deutschland weg vom Klischee der unterdrückten Frau? (dpa/Wolfgang Kumm)

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