Seit 11:05 Uhr Tonart

Dienstag, 16.10.2018
 
Seit 11:05 Uhr Tonart

Kompressor | Beitrag vom 01.10.2018

Fotografien von Nihad Nino Pušija Bilder jenseits aller Roma-Klischees

Nihad Nino Pušija im Gespräch mit Timo Grampes

Beitrag hören Podcast abonnieren
Aus der Serie Brünn, 2018. (Nihad Nino Pušija)
Aus der Serie Brünn, 2018. (Nihad Nino Pušija)

Die bettelnde Frau oder musizierende Männer in der U-Bahn: Unsere Bilder von Roma sind nicht selten klischeebeladen. Wie das Leben der Roma jenseits von Vorurteilen aussieht, dokumentiert der Fotograf Nihad Nino Pušija seit 20 Jahren.

"Die anderen Roma sehen wir eigentlich nicht, weil die versuchen, unsichtbar zu bleiben", sagt der Fotograf Nihad Nino Pušija. Seit über 20 Jahren fotografiert er Roma und ihre Lebenswelten überall in Europa. Seine Arbeiten sind gerade in Berlin im Rahmen des europäischen Monats für Fotografie zu sehen.

Eins seiner Bilder zeigt z.B. zwei Männer in einem Café zusammen mit einem kleinen Jungen. Auf den Jacken der Männer steht "ASISTENT PREVENCE KRIMINALITY".

"Das ist eine besondere Einheit, die gehören nicht zur Polizei", erklärt Pušija. "Die kommen aus der Roma-Community und ihre Rolle ist, die Konlikte zu lösen oder zu vermeiden, die innerhalb der Familie oder innerhalb von dem Viertel passieren, und das, bevor die Polizei angerufen wird. Das ist eine Präventionsmaßnahme. Gleichzeitig ist es für sie ein ungewöhnlicher Job, weil sie zugleich professionelle Musiker sind. Die sind auch bekannt in ihrem Viertel."

Weg vom Exotismus

Pušija hat mit etwa 20 Roma-Familien in ganz Europa Kontakt. Er trifft sich immer wieder mit ihnen und dokumentiert ihr Leben. Sein Interesse für die Roma ist biografisch bedingt: Seine Großmutter war Roma. Das hat er aber erst sehr später erfahren - denn es wurde in seiner Familie anfangs verheimlicht.

Sein eigener Stil habe sich in den letzten 20 Jahren verändert, sagt Pušija. Aber auch die Art, wie sich die Roma selbst präsentieren. Denn in der Regel lasse er die Leute sich selbst inszenieren, betont der Fotograf. Früher habe es dabei einen Hang zum Exotismus gegeben. Heute seien die Bilder dezenter, aber auch kritischer und politischer, sagt Pušija.

Info: Die Ausstellung "So ist das hier bei uns – Bilder vernachlässigter Europäer" von Nihad Nino Pušija ist bis zum 9.01.2019 in der Galerie am Körnerpark in Berlin-Neukölln zu sehen.

Mehr zum Thema

Filmfest San Sebastián - Goldene Muschel für "Entre Dos Aguas"
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 29.09.2018)

Gedichtband "Die Morgendämmerung der Worte" - Poetischer Atlas der Roma und Sinti
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 06.09.2018)

Ursula Krechel: "Geisterbahn" - Risse in der Wirtschaftswunderfassade
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 06.09.2018)

Fazit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur