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Kompressor | Beitrag vom 29.10.2014

FotografieEin neues Zuhause für das C/O Berlin

Die Fotoinstitution eröffnet neu im "Amerika Haus"

Von Barbara Wiegand

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C/O Berlin, Amerika Haus (dpa / picture alliance)
Neu im Herzen West-Berlins: Das C/O Berlin eröffnet wieder. (dpa / picture alliance)

Nach zwei Jahren Pause eröffnet das C/O Berlin wieder - und es ist von Mitte an den Berliner Zoo im Herzen West-Berlins gezogen. Das neue Heim ist das alte "Amerika Haus". Ein zuweilen offenes, zuweilen labyrinthisch anmutendes Gebäude, das mit viel Arbeit aus seinem Winterschlaf erweckt werden musste.

"Hier wird noch gehämmert, Steine gesetzt. Es sind ungefähr 20 Leute, die hier im Außenbereich Rollrasen legen, Kopfsteinpflaster..."

Wie sollte es anders sein, vor so großen Eröffnungen: Vieles ist fertig – manches noch nicht so ganz... Doch mit seiner klar strukturierten Front, mit der bunten Mosaikfassade mit dem schlichten Schriftzug Amerika Haus darauf hat es schon jetzt seine eigene Ausstrahlung: einfach und offen. Und daran musste lange gearbeitet werden.

"Fang wir mal von vorne an – jetzt sind wir hier im Foyer. Ja, das Foyer zeichnet sich durch diesen wunderbaren Sollenhofener Bruchstein aus, der unter Zentimeter dicken Teppichresten verborgen war. Die Decken waren zum Teil abgehangen. Es waren Rigips Einbauten. Es waren Rollgitter vor dem Fenster. Vor dem Haus war ein großes Gebüsch, es war eingezäunt. Und wir mussten es wirklich – ich sage mal - wachküssen, das Amerika Haus. So dass es wieder so strahlt wie früher. Ein Ort, an dem man die Blicke schweifen lassen kann, von vorne in den Hinterhof... und so weiter."

Die Blicke schweifen lassen – über einen Floating Space – einen offenen Raum, so versucht Stephan Erfurt die Grundidee des neuen Zuhauses von C/O Berlin zu fassen, während er ein paar Stufen der Freitreppe im Foyer hinaufsteigt. Es gibt freie Sichtachsen, aber auch abgetrennte Kabinette und Säle, mit mobilen Stellwänden geschaffen. Vor allem im Erdgeschoss wirkt das manchmal etwas labyrinthisch – und ist dabei faszinierend entdeckungsreich. Etwa die Aufnahmen berühmter Magnum Fotografen, die zusammen mit den Kontaktabzügen gezeigt werden.

Berühmt gewordene Aufnahmen, Ausschnitte, Augenblicke

"Magnum Contact Sheets – und in unseren Ausstellungen, die wir zu Beginn machen, wollen wir die Geschichte widerspiegeln, aber auch die Geschichte von C/O Berlin. Wir haben ja begonnen 2000 mit einer Magnum Fotoausstellung und jetzt zeigen wir eben die Kontaktbögen berühmter Magnum Fotografen, was etwas ganz Besonderes ist. Denn die Fotografen haben sich nie in die Karten schauen lassen. Es gibt Beispiele von 60 Magnum Fotografen und vielen hundert Kontaktbögen, auf denen die Ikonen schon zu sehen sind und man sieht die Geschichte davor und danach und das ist sehr, sehr eindrücklich."

So sieht man berühmt gewordene Aufnahmen, Ausschnitte, Augenblicke. Neben denen, die aussortiert wurden. Die Magnum-Fotografin Inge Morath etwa hat 1957 beim verrückten Fotoshooting mit einem Lama am New Yorker Time Square den Moment ausgewählt, in dem das Tier mit dem Auto vorfährt, den Kopf zum Fenster rausgestreckt und sie groß ansieht. Den Besuch des Lamas im Restaurant hat sie zwar auch fotografiert, aber nicht vergrößert.

So taucht man im Erdgeschoss ein in derlei Geschichten und Geschichte, zwischen gediegen Grau gestrichenen Wänden. Vom ersten Stock aus schaut man gegenüber auf die Jebensstraße, hinterm Bahnhof Zoo.

"Und man hat eben auch den Blick auf das, was sicherlich diese Gegend auch ausmacht. Es ist der Bahnhof Zoo. Mit all seinen Facetten. Da hinten sehen wir noch ein bisschen die Bahnhofsmission, eben stand da noch ein Krankenwagen... Wichtig ist uns wirklich dieser disparate Charme, wir sehen hier die ganze Breite des Lebens. Das ganze Schwarz und Weiß, reich und arm, und ich glaube eine zeitgenössische Fotografie-Institution ist genau richtig an diesem Ort."

Mitten im lebendigen Berliner Westen

Die Stadt da draußen, sie soll also nicht außen vorbleiben. Das gilt für die Zukunft, für die Erfurt auf eine Zusammenarbeit mit nahe gelegenen Foto-Museen setzt, genauso wie mit der Bahnhofsmission. Das gilt für die Eröffnung, für die sich 6500 Besucher angemeldet haben. Aber es gilt auch für die Vergangenheit: Im ersten Stock sind Arbeiten von Will McBride ausgestellt. Als GI in die Stadt gekommen, stellte er 1957 als erster Fotograf im Amerika Haus aus.

"Das sind alles Fotografien aus den 60er und 70er Jahren. Als er neu in Berlin war und die Stadt ganz spannend fand, diese Offenheit, er ist ja sehr bekannt durch eine sehr persönliche Herangehensweise. Er hat die Jugend beobachtet, die Stadt zwischen Panzern und Wannsee. Er ist voll in diesem Leben aufgegangen. Und das spürt man in diesen Bildern."

Und dieses Gefühl, das McBride in seinen Fotos festgehalten hat, es passt ganz gut zur Eröffnung von C/O Berlin am neuen Ort. Steht doch das wieder hergerichtete Amerika-Haus für die Aufbruchstimmung im Westen der Stadt – und mitten im Berliner Leben. Zwischen Gründerzeithäusern und 70er Jahre Bausünden, nahe neu errichteter Luxushotels und der Bahnhofsmission. Und so wirkt das neue C/O sicherlich über das glitzernde Grand Opening hinaus. Außen – wie innen. Wo ausgewählte Fotografien gemeinsam mit den neu gestalteten Räumen einfach – beeindrucken!

 

Mehr zum Thema:

Fotokunst - Berlin im Bild
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 09.04.2014)

Der verzögerte Umzug der C/O-Fotogalerie
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 31.07.2013)

Rettung in letzter Minute
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 17.12.2012)

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