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Im Gespräch | Beitrag vom 22.05.2019

Fotograf Uli KunzMit der Kamera ins Unterwasser-Abenteuer

Moderation: Katrin Heise

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Der aus Offenburg stammende Meeresbiologe, Fotograf und Expeditionsleiter Oliver Kunz beim Tauchen mit einem Seedrachen. (Uli Kunz)
Selfie von Oliver Kunz beim Tauchgang mit einem Seedrachen. (Uli Kunz)

Er taucht im offenen Ozean, unter dickem Eis, in finsteren Höhlen. Uli Kunz ist Meeresbiologe, Forschungstaucher, Unterwasser-Fotograf, Vortragsreisender. Er dokumentiert die Schönheit der Unterwasserwelten – und ihre Bedrohtheit.

Seine Fotos der Unterwasserwelt faszinieren: Uli Kunz begleitet Orcas bei der Jagd in einem gigantischen Heringsschwarm; er taucht mit Buckelwalen oder Haien – hautnah und ohne Angst: "Haie sehen den Menschen nicht als Futter an." Seine Interesse gilt aber nicht unbedingt den landläufigen Tauchparadiesen; Uli Kunz liebt die Kaltwassergebiete mit ihren bizarren und geheimnisvollen Bewohnern, zum Beispiel die See vor der Küste Norwegens.

Faszination Schleimaal

So finden sich in seinem Bildband "Leidenschaft Ozean" schaurig-schöne Fotos von Schleimaalen; für den Meeresbiologen "mit die wichtigsten Tiere, die es im Ozean gibt." Er könne diesen Aasfressern  stundenlang zuschauen: "Es ist tatsächlich eine kleine Sensation, weil diese Tiere sonst nur in viel größerer Tiefe vorkommen. Und dort diese Tiere mit eigenen Augen beim Fressen zu beobachten, wie die sich in einen toten Fisch bohren, das ist für mich als Biologe mit das Größte, was es gibt."  

Uli Kunz schaut aus dem Indischen Ozean. (Uli Kunz)Uli Kunz schaut aus dem Indischen Ozean. (Uli Kunz)
Die Ozeane hätten mehr zu bieten als Wale und andere Großtiere. "Jeder möchte die Wale retten. Klar, möchte ich auch. Aber es gibt eben noch eine Vielzahl von weiteren Tieren, die eine unglaublich wichtige Rolle im Ozean spielen, und denen möchte ich auch ein kleines Sprachrohr bieten."  

Von der Landratte zum Meeresabenteurer     

Uli Kunz hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er ist 1975 in Baden als "Landratte" geboren; sein Vater, ein Biologie-Lehrer, vermittelt ihm früh die Liebe zur Natur. Er beginnt schon als Jugendlicher, zu tauchen, studiert Meeresbiologie in Kiel, macht eine Ausbildung zum Forschungstaucher. Mit seiner Firma "submaris" arbeitet er heute für wissenschaftliche Institute ebenso wie für "Greenpeace", für die er auch als Vortragsreisender unterwegs ist.

"Ich möchte mit meinen Fotos etwas bewegen"

Bei seinen Vorträgen will er zum einen die Schönheit der Unterwasserwelt vermitteln. Seine Fotos dokumentieren aber auch die Bedrohung der Weltmeere. "Man kann sich das überhaupt nicht vorstellen, wie das vor 100 oder 200 Jahren ausgesehen haben muss. Da gab es eine unfassbare Fülle an Tieren und Pflanzen: Es gab Seegraswiesen überall in der Nordsee. Heute gibt es sie nur noch in der Ostsee und nur noch in einem kleinen Teil der Nordsee. Die Menge an großen Walen war um den Faktor 10.000 vermutlich größer als heute. Die Walfänger, die da reingestoßen sind, konnten fast über Wale laufen." Dazu Berichte über riesige Fischschwärme; das alles sei heute verschwunden, hauptsächlich, weil der Mensch die Ozeane leerfische und belaste. Umso wichtiger seien Schutzprogramme in den Weltmeeren, für die sich Uli Kunz einsetzt.

"Ich bin nur ein kleiner Besucher im Ozean"

Für den Forscher überwiegen aber dennoch die vielen positiven und faszinierenden Momente: "Wenn ich diesen großen Tieren begegne, wenn die mich anschauen, wenn die mit mir spielen oder meine Kamera interessant finden, da muss ich tatsächlich immer wieder so ein paar Tränen verdrücken, weil das einfach wunderschöne Momente sind. Und ich weiß, ich bin eigentlich nur so ein kleiner Besucher in diesem Ozean. Und die Tiere haben auf jeden Fall die Hoheit über ihre Gewässer, die wir leider so mit Füßen treten." 

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