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Interview | Beitrag vom 16.10.2020

Fotoausstellung im Gropius Bau BerlinMännerbilder und Männlichkeitsbilder

Julienne Lorz im Gespräch mit Ute Welty

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Schlafende Soldaten in einem Buss (Adi Nes)
Der Künstler Adi Nes dokumentiert den Konflikt in Nahost: Hier zeigt er auch die weichere Seite der israelischen Streitkräfte. (Adi Nes)

Die Ausstellung "Masculinities" im Berliner Gropius Bau konstruiert mittels Fotos und Videos Männlichkeitsbilder – von den 50er-Jahren bis heute. Dabei zeige sich vor allem, wie vielschichtig das Thema sei, sagt Kuratorin Julienne Lorz.

Welche Männlichkeitsbilder wir haben, lässt sich wohl am ehesten anhand von Männerbildern veranschaulichen. Eine entsprechende Ausstellung ist im Berliner Groupius Bau noch bis zum 10. Januar 2021 zu sehen.

"Masculinities: Liberation through Photography" konstruiert mittels Fotos und Videos Männlichkeitsbilder – aus den Fünfzigerjahren bis ins Heute. Und zeige dabei vor allem, wie vielschichtig diese seien, meint Juliane Lorz, die Hauptkuratorin des Gropius Baus. "Es ist eine große Spannbreite", die sehr viel mehr als die heute so gerne bemühten Pauschalbezeichnungen wie toxisch oder fragil umfasse.

Gemälde von zwei Männern mit Bart und Pakol (Collection T. Dworzak/Magnum Photos)Fotograf Thomas Dworzak hat 2001 in Kandahar etliche solcher Fotos gefunden und gesammelt. (Collection T. Dworzak/Magnum Photos)

Dabei sind Werke unterschiedlichster Künstlerinnen und Künstler zu sehen wie Laurie Anderson, Richard Avedon, Rotimi Fani-Kayode, Peter Hujar, Isaac Julien, Annette Messager und Catherine Opie.

Wie Frauen auf Männer blicken

Es ist ein buntes Panoptikum von Bildern und Themen, das die Ausstellung dem Besucher eröffnet. So beschäftigt sich ein Abschnitt der Ausstellung beispielsweise mit dem Archetyp des Mannes, ein anderer mit dem Thema Macht und Patriarchat.  Und eine dritte Sektion thematisiert den weiblichen Blick auf Männer und Männlichkeit.

Schwarzweißfotografie eines Mannes, der sich schminkt (Peter Hujar Archive und Pace/MacGill Gallery, New York)Ist Schminken nur weiblich? Peter Hujar zeigt unangepasste männliche Identitäten. (Peter Hujar Archive und Pace/MacGill Gallery, New York)

Beispielsweise mit der Video-Arbeit "Heaven" der australischen Künstlerin Tracey Moffatt. In diesem beobachtet sie die Männer beim Umkleiden, Surfer, die sich an Autos lehnen. Ein voyeuristischer Blick, der die Machtverhältnisse umdrehe, so Lorz. "Sie den Mann beobachtet und nicht umgekehrt: der Mann die Frau."

Spätestens am Ende der Ausstellung – beim Werk des Künstlers Hans Eijkelboom – wird dem Besucher klar: "Den idealen Mann gibt es gar nicht", sagt Lorz. Eijkelboom ließ sich von zehn Frauen den Idealmann beschreiben, stylte und kleidete sich entsprechend. Herausgekommen sind zehn vollkommen unterschiedliche Fotografien.

(lkn)

Masculinities: Liberation through Photography
Bis 10. Januar 2021, Gropius Bau in Berlin

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