Seit 22:03 Uhr Feature

Dienstag, 18.02.2020
 
Seit 22:03 Uhr Feature

Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 12.06.2018

Forschung zum HexenglaubenWie Lynchmorde verhindern?

Felix Riedel im Gespräch mit Ellen Häring

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ethnologe Felix Riedel mit Partnern in Nord-Ghana. Er sitzt auf dem Boden in einem Haus mit zwei anderen Männern. (Felix Riedel)
Ethnologe Felix Riedel mit Partnern in Nord-Ghana. (Felix Riedel)

Der Hexenglauben ist kein afrikanisches Phänomen - wird hier aber noch überdauert. Wer als Hexe diffamiert wird, lebt gefährlich. Jagden und Lynchmorde sind keine Seltenheit. Der Ethnologe Felix Riedel erforscht den Hexenglauben und seine Folgen.

In manchen afrikanischen Regionen ist der Glaube an Hexen bis heute stark ausgeprägt - vor allem südlich der Sahara. Ausländische Mediziner seien oft sehr überrascht, wie weit das Problem reiche, erklärt der Ethnologe Felix Riedel im Gespräch. Die Ärzte könnten kaum glauben, wie stark Hexerei-Vorstellungen mit Krankheit und Tod zusammenhängen. Dass die Mediziner auch als Hexen verdächtigt werden könnten, komme ihnen dabei kaum in den Sinn.

Auch Biologinnen wurden der Hexerei bezichtigt, weiß Riedel zu berichten: Sie hatten in einem geweihten See geforscht und zufällig sei ein Kind in der Umgebung gestorben. Die Schuld haben die Menschen bei den verblüfften Biologinnen gesucht. Der Forscher Riedel rät deshalb allen Personen aus einem anderen Kulturkreis, vor einem Besuch dieser Regionen ein Training zu absolvieren.

"Im subsaharischen Afrika gibt es die heftigsten Hexenjagden"

Denn bei dem Verdacht von Zauberei kann es für die vermeintlichen Hexen gefährlich werden - bis zu Selbstjustiz und Lynchmord. "Besonders im subsaharischen Afrika gibt es heute noch die stärksten und heftigsten Hexenjagden", sagt Riedel. Der Ethnologe erforscht das Phänomen. "Wir haben zum einen Regionen, in denen das erstaunlich friedlich geregelt wird, in denen viele Menschen an Hexerei glauben, aber es zu keinen Gewaltausbrüchen kommt. Und dann haben wir kleine Regionen, in denen es zu diesen extrem sadistischen Lynchmorden oder ritueller Folter kommt." 

Riedel reist etwa regelmäßig in den Norden Ghanas, um ein Zentrum für die Opfer von Hexenjagden zu besuchen. Der Umgang mit dem Glauben an Hexen könne aus historischen Erfahrungen erlernt werden, auch aus der europäischen Geschichte, meint der Ethnologe. Mit einer "moralischen Aufklärung" versuchen er und seine Partner etwa, die Ungerechtigkeit von Lynchjustiz darzustellen: Mit Schauspielern, die dazu kleine Vorstellungen geben und den Menschen beibringen: "Sowas tut man nicht".  

Im Weltzeit-Podcast hören Sie alle Folgen unserer Westafrika-Woche: Popkultur-Mekka Nigeria, Hexenverfolgung in Togo, Drogen- und Waffengeschäfte in Mali.

Mehr zum Thema

Deutsche Kolonialgeschichte - Skandal in Togo
(Deutschlandfunk, Andruck - Das Magazin für Politische Literatur, 23.01.2017)

Papua-Neuguinea - Hexerei im Paradies
(Deutschlandfunk Kultur, Religionen, 12.10.2014)

Rehabilitierung - Späte Gerechtigkeit für die "Hexen" von Bernau
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 27.05.2017)

Weltzeit

Proteste im LibanonAlte Probleme, neuer Zusammenhalt?
Nach einem gescheiterten Versuch, Politikern den Zugang zum Parlament zu versperren, wo sie über die Annahme der neuen Regierung des Libanon abstimmen werden stärkt sich ein regierungskritischer Demonstrant mit einem traditionellen libanesischen Sandwich, ein zweiter mit Gasmaske und Palästinenser-Tuch schaut auf sein Handy.  Im Hintergrund brennt ein Bauzaun. (Getty Images /  Sam Tarling)

An einen politischen Neuanfang im Libanon glaubt kaum ein Demonstrant. Auch die Regierung von Hassan Diab wird von der alten Elite gestützt. Doch könnten Leid und Wut der Menschen in dem gespaltenen Land ein neues Wir-Gefühl entstehen lassen.Mehr

Die Zukunft der TalibanJung, radikal und hilflos
Taliban-Kämpfer geben im Januar 2016 ihre Waffen ab in Jalalabad, Afghanistan. (picture alliance/dpa/EPA/Ghulamullah Habibi)

Nach 19 Jahren soll der längste Krieg der USA enden. Präsident Trump will im Februar das Friedensabkommen mit den Taliban unterschreiben und später die Truppen aus Afghanistan abziehen. Zurück bleiben tausende radikalisierte Kämpfer ohne Plan.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur