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Interview | Beitrag vom 22.09.2018

Forschung zu sympathischem DesignWenn Roboter zu menschlich werden

Elisabeth André im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Ein Roboter sitzt mit einem Laptop auf dem Bordstein und guckt nach oben in die Kamera. (imago / Westend61)
Wann wird ein Roboter gruselig? (imago / Westend61)

Gemeinsam mit Kollegen arbeitet die Computerwissenschaftlerin Elisabeth André daran, Roboter so zu gestalten, dass sie den Menschen optimal helfen und trotzdem nicht unheimlich werden. Und bei dieser Forschung spielt eine Kategorie eine wichtige Rolle: der Grusel.

Axel Rahmlow: Wir reden regelmäßig über den Notstand in der Pflege, dass es da an Arbeitskräften fehlt, und immer wieder kommt dann auch der Gedanke auf: Ja, wichtige Aufgaben könnten doch auch Roboter übernehmen in der Pflege. Die Frage ist allerdings: Will man das? Und ein Aspekt, der sicherlich dazugehört, ist die Frage: Wie sympathisch ist denn ein Roboter? Kann er überhaupt sympathisch sein? Würde das helfen, dass sie mehr akzeptiert werden, Roboter? Denn sie sind ja eigentlich schon überall, nur eben nicht im direkten Umgang mit Menschen so oft zu sehen. Roboter sympathisch zu machen, daran forschen unter anderem auch Forscherinnen und Forscher aus Augsburg und Bielefeld. Sie hatten jetzt eine Konferenz, um ihre gemeinsame Arbeit zu starten. Und mit dabei ist auch Elisabeth André, sie ist Professorin für Computerwissenschaften an der Universität Augsburg, Teil des Teams und jetzt am Telefon. Schönen guten Morgen, Frau André!

Elisabeth André: Schönen guten Morgen, Herr Rahmlow!

Rahmlow: Frau André, wie macht man denn einen Roboter sympathisch?

André: Wir beschäftigen uns mit sozialen Robotern. Das sind Roboter, die nicht nur eine Funktion ausführen, beispielsweise als Hebehilfe, sondern Roboter, die sich auch mit dem Mensch unterhalten können, in natürlicher Sprache, also mit einem Kommunikationsmittel, das Menschen gewohnt sind. Und zusätzlich spiegelt ein solcher Roboter auch Dinge wider wie Aufmerksamkeit, Blickkontakt, Absichten und Inhalte von dem, was gesprochen wird.

Wohlbefinden durch Anregungen des Roboters

Rahmlow: Und der Roboter, das ist das Ziel, soll dann auch unabhängig auf die Wünsche seines Gegenübers reagieren können? Also das wirkt ja sympathisch, wenn mein Gegenüber nicht nur einfach irgendetwas erzählt, sondern auf mich Bezug nimmt.

André: Natürlich soll der Roboter auf die Wünsche eingehen, natürlich soll der Roboter auch den Menschen beraten. Also nicht immer ist alles gut, was ich mir wünsche, zum Beispiel für meine Gesundheit. Also ganz wichtig ist, dass ein solcher Roboter die Menschen inspiriert und sie anregt, vielleicht auch was zu tun, was sie sonst Überwindung kostet, beispielsweise wenn so ein Roboter dem Menschen vorschlägt, okay, ruf doch mal deine Freundin an oder da gibt es eine Veranstaltung, möchtest du da nicht hingehen. Das kostet vielleicht jemanden erst mal Überwindung, aber wenn er es denn macht, ist es gut für das Wohlbefinden.

Rahmlow: Also Interaktion ist wichtig, aufeinander zugehen. Wichtig ist doch aber auch die Optik, oder? Also ich persönlich finde diese Roboter, die man bisher kennt, mit großen Augen und so einem aufgemalten Lächeln, die wirken aber natürlich sehr künstlich und die kann ich schwer einordnen. Ich finde das gruselig, ehrlich gesagt. Können Sie das nachvollziehen?

André: Ja, sicher kann ich das nachvollziehen. Sie sprechen ja auch so einen Effekt an, der auch wissenschaftlich untersucht worden ist. Also man könnte jetzt annehmen, je menschenähnlicher Sie so einen Roboter machen vom Aussehen her, desto vertrauter wirkt er, also dass das grundsätzlich gut ist. Aber es gibt so eine Grenze, die heißt "uncanny valley" oder auf Deutsch "unheimliches Tal", und ab dieser Grenze verspüren dann manche Personen ein Unbehagen. Und das kommt daher: Also der Roboter wirkt einerseits wie ein Mensch, andererseits erkennt man, dass er nicht wirklich lebendig ist. Und diese unklare Linie gruselt dann die Leute. Also es gibt sogar wissenschaftlich gesehen Untersuchungen, dass die Leute dann Assoziationen mit dem Tod haben. Die sehen dann einen Roboter, der sieht aus wie ein Mensch und die Augen sind unlebendig. Und dadurch kommen dann unbewusst Ängste auf.

Rahmlow: Und das ist ja unsympathisch.

Ein Roboter, der anregt, aber nicht stört

André: Das ist unsympathisch. Und ich sage mal so: Ein sympathischer Roboter, das heißt nicht, dass man den so realistisch wie möglich gestaltet, das kann auch eher ein cartoonhaftes Aussehen sein, das kann bessere Zwecke erfüllen in manchen Anwendungen, das kann auch ein Plüschtier sein. Das hängt sehr davon ab, was für eine Anwendung man jetzt, ich sage mal, im Fokus hat.

Rahmlow: Jetzt wird ja unabhängig davon, wie er nun aussieht und was er kann, darüber diskutiert, ob diese Sympathie helfen kann, dass Roboter mehr akzeptiert werden, zum Beispiel eben in der Pflege wird das immer wieder mal bedacht, ob das möglich sein könnte. Ist aber nicht auch die Gefahr, dass Menschen irgendwann ihr Sozialverhalten so sehr an die Roboter anpassen, dass sie sich eigentlich noch mehr isolieren von den Menschen um sich herum?

André: Die Gefahr besteht, aber unser Ziel ist mit dem VIVA-Roboter, der soll jetzt keinen Menschen ersetzen, sondern der soll in das private Umfeld integriert werden. Und in dem privaten Umfeld sind idealerweise auch noch andere Leute und der Roboter soll unterstützend wirken. Man kann sich zum Beispiel vorstellen, wenn Leute zum Beispiel Karten spielen und bestimmte Personen, ich sage mal, eher schüchtern sind und nicht richtig integriert sind in ein Gespräch, dass der Roboter dazu beiträgt, indem er zum Beispiel auch Themen, von denen er weiß, die gefallen der Person, anspricht und dann, in dem Moment, wo die Leute integriert sind, dass der Roboter sich dann zurückzieht. Also es ist auch sehr wichtig, dass der Roboter… Darüber haben wir auch auf unserem Kick-off-Meeting gesprochen, auf dem wir Anwendungsfälle definiert haben. Wenn zum Beispiel zwei Menschen in einer Interaktion sind, dann soll der Roboter natürlich nicht stören.

Rahmlow: Da gibt es noch viel zu tun für Sie und Ihr Team. Elisabeth André arbeitet am sympathischen Roboter, herzlichen Dank für das Gespräch!

André: Ja, herzlichen Dank!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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