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Interview | Beitrag vom 18.09.2020

Forschung zu RechtsextremismusWie man eine Studie zu Rassismus bei der Polizei erstellt

Hans-Gerd Jaschke im Gespräch mit Julius Stucke

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Angehende Streifenpolizisten notieren sich in einer Polizeischule etwas auf einem Notizmäppchen.  (picture alliance / dpa / Lino Mirgeler)
Im Mittelpunkt einer Studie zu Rassismus in der Polizei stünden die Fragen, wann und wie durchlaufen Beamte Radikalisierungsprozesse. (picture alliance / dpa / Lino Mirgeler)

Hat die deutsche Polizei ein Rassismusproblem? Um das herauszufinden, wäre es notwendig, dazu zu forschen. Doch Innenminister Horst Seehofer will das nicht. Hans-Gerd Jaschke erklärt trotzdem, wie so eine Untersuchung aussehen würde.

Immer wieder macht die deutsche Polizei mit rassistischen und rechtsextremen Skandalen auf sich aufmerksam. Doch wie groß ist das Problem unter den Beamten? Eine entsprechende Studie gibt es nicht, auch weil Innenminister Horst Seehofer (CSU) nicht von einer solchen überzeugt ist.

Nun haben Bundesländer, in denen die SPD den Innenminister stellt, angekündigt, eine solche Untersuchung anzustoßen. Dass es Nachholbedarf gibt, dürfte außer Zweifel stehen, denn die letzte empirische Polizeistudie ist aus den 90er-Jahren.

Radikalisierung im Berufsleben

Der Politikwissenschaftler Gerd Jaschke erklärt, wie heutzutage eine solche Studie aussehen könnte: "Wichtig scheint mir zu sein, dass wir nach Radikalisierungsprozessen fragen." Er gehe selbst nicht davon aus, dass dies in der Ausbildung geschehen sei. Er habe selbst angehende Polizisten ausgebildet. "Dort sind mir praktisch nie rechtsextreme Vorfälle aufgefallen", so Jaschke.

Vielmehr finde, so der bisherige Forschungsstand, eine Radikalisierung im Berufsleben statt. Deswegen müssten verschiedene Altersgruppen untersucht und befragt werden, um herauszufinden, "welche Erlebnisse und Erfahrungen dazu beitragen, dass sich einzelne Polizeibeamte oder auch kleine Gruppen radikalisieren".

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In einer Studie zu Rassismus in der Polizei müssten unter anderen verschiedene Situationen durchgespielt und die Beamten dazu befragt werden. Beispielsweise die Festnahme eines nicht deutschen Tatverdächtigen, erläutert Jaschke. "Dann müsste man genauer nachfragen, wie sind diese Festnahmen abgelaufen, gab es Widerstand? Welcher Art waren die Festnahmen und wie gehen die Dienststelle und die Vorgesetzten damit um?" Damit könne herausgefunden werden, wie die einzelnen Beamte die Erfahrung verarbeitet haben.

Unterstützung von Behörden und Personalrat

Es sei zudem darauf hinzuweisen, unterstreicht der Politikwissenschaftler, dass es "die Polizei" so nicht gebe. "Wir haben 16 Länderpolizeien, zwei Bundespolizeien - das Bundeskriminalamt und die Bundespolizei. Von da her muss man differenzieren. Man muss fragen, welche Erfahrungen machen Länderpolizeien in ländlichen Regionen? Welche Erfahrungen machen Sie in städtischen Regionen?" Der Bedarf an Differenzierung sei in diesem Feld "sehr hoch", beton Jaschke.

Wichtig sei bei alldem, dass die jeweiligen Sicherheitsbehörden eine solche Studie unterstützten: "Das ist das entscheidende Nadelöhr, warum es in den letzten Jahren kaum empirische Polizeiforschung in diesem Feld gegeben hat", so Jaschke. Neben dem Dienstherrn sei zudem die Unterstützung des Personalrats, also der Gewerkschaften notwendig. Als problematisch sieht der Wissenschaftler indes direkt von den Behörden beauftragte Studien an.

(rzr)

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