Seit 05:05 Uhr Studio 9
Dienstag, 13.04.2021
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Studio 9 | Beitrag vom 20.02.2020

Forschung und DemokratieWissen ist nicht direkt auf Politik übertragbar

Armin Nassehi im Gespräch mit Julius Stucke

Beitrag hören Podcast abonnieren
Armin Nassehi (imago images / Manfred Segerer)
Die Wissenschaft macht weniger eindeutige Aussagen, als man das in der Politik gerne hätte, sagt Armin Nassehi. (imago images / Manfred Segerer)

Man solle auf die Wissenschaft hören, fordern die Klimaaktivistinnen von Fridays for Future. Doch wie kann das gehen und wie groß ist der Einfluss von Forschung auf die Politik? Das Verhältnis sei komplex, sagt Soziologe Armin Nassehi.

Der Klimaforscher Gerald Haug ist Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina – ein Ort, an dem auch Expertise für Politik entsteht. Welchen Einfluss kann Wissenschaft auf die Politik haben? "Einen Symbolwert hat das auf jeden Fall", sagt Armin Nassehi, Professor für Soziologie an der Universität München. Eine der wichtigsten Forderungen der Klimaproteste sei, man möge auf die Wissenschaft hören.

"Nur ist es nicht ganz so einfach, die Dinge, die die Wissenschaft sagt, eins zu eins auf Politik anwenden kann", so Nassehi. Es sei ein komplexes Verhältnis zwischen Demokratie und Wissenschaft, weil die Wissenschaft weniger eindeutige Aussagen mache, als man das in der Politik gerne hätte. Man bekomme oft sehr widersprüchliche Aussagen. "Selbst wenn man genau wüsste, was man tun soll, ist das für die Politik nicht so einfach umzusetzen."

Ungeahnte Lösungen finden

Der Einfluss von Wissenschaft sei zwar groß, die Politik nutze Wissenschaft für ihre Zwecke, aber: "In der Politik geht es weniger um Wissensfragen als darum, wie man mit Wissen Mehrheiten organisieren kann", sagt Nassehi. Im Bezug auf das Klima wisse man zwar, was zu tun sei, aber das heiße nicht, man wisse, wie das politisch umzusetzen sei.

Auf die Wissenschaft zu hören, heiße nicht, dass die Forscher den Politikern sage, was sie tun sollten. Aber man könne Gesprächspartner sein, um auf Lösungen zu kommen, auf keine der beiden Seiten hinkriegen würde.

(leg)

Mehr zum Thema

Klimaforscherin Antje Boetius - Wissenschaft muss sich einmischen
(Deutschlandfunk Kultur, Tacheles, 28.12.2019)

Zehn Jahre Leopoldina als Nationalakademie - "Die Leopoldina ist kein Meinungsklub"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 14.07.2018)

Wahrheitsfindung vs. Willensbildung - Wissenschaft und Politik bitte streng trennen!
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 05.11.2019)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Ramadan und CoronaVirtuelles Fastenbrechen
Blick von oben auf eine junge muslimische Familie, die während des Ramadan im Koran lesen. (Symbolbild) (picture alliance / Zoonar / Benis Arapovic)

Der Ramadan bricht an. Für Muslime ist dies eine Zeit der Familie und der Besinnlichkeit. Weil das Fastenbrechen im großen Freundes- und Familienkreis derzeit nicht möglich ist, helfen virtuelle Predigten und Online-Ratgeber.Mehr

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

Patrice Nganang: "Spur der Krabbe"Das Schweigen brechen
Auf orangefarbenem Pastelluntergrund ist das Cover des Buches "Spur der Krabbe" zu sehen.  (Deutschlandradio / Peter Hammer Verlag)

Ein ehemaliger Untergrundkämpfer erzählt von der Zeit nach der Unabhängigkeit Kameruns. Damals gab es einen Genozid an den Bamileke, der bis heute kaum bekannt ist. Es ist der letzte Band einer Trilogie über das Heimatland des Autors Patrice Nganang.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur