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Interview | Beitrag vom 06.06.2018

Forschung auf der ISS"Extrembedingungen an der Grenze zum Weltraum"

Sibylle Anderl im Gespräch mit Dieter Kassel

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Der deutsche Astronaut Alexander Gerst trainiert im NASA Johnson Space Center für seine Mission.  (dpa / picture alliance / James Blair)
Der deutsche Astronaut Alexander Gerst beim Training: Heute fliegt er zum zweiten Mal zur internationalen Raumstation ISS. (dpa / picture alliance / James Blair)

Forschung in der Umlaufbahn: Bei seinem Einsatz auf der Internationalen Raumstation ISS werde der Astronaut Alexander Gerst mehr über die Erde als über den Weltraum erfahren, meint die Astrophysikerin Sibylle Anderl. Erkenntnisse über "die ganz großen Weiten des Alls" ließen sich dort nicht gewinnen.

Jeder Blick ins All wirft den Menschen zurück auf sich selbst. Das sagt die Astrophysikerin und Philosophin, Sibylle Anderl. Wir Menschen könnten gar nicht anders "als das, was wir im Universum finden, auch immer zurück zu spiegeln auf unsere eigene Situation als Menschen im All", betonte Anderl im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur.

Ähnlich sei es mit der bemannten Raumfahrt im Sonnensystem. Diese stelle "natürlich ganz grundlegende Fragen, die uns Menschen in unserem Selbstverständnis letztendlich auch erschüttern". Denn die Erde sei eben "wahnsinnig lebensfreundlich" und liefere für den Menschen perfekte Bedingungen - Bedingungen, die der Mensch, bisher zumindest, im All habe noch nicht finden können.

"Vielfältige Experimente"

Angesichts des heutigen Starts des deutschen Astronauten Alexander Gerst zur Raumstation ISS in die Umlaufbahn machte die Astrophysikerin klar, dass man das Universum von der Erde aus tatsächlich besser erforschen könne als aus der Umlaufbahn heraus. Denn auf der Erde könnten leistungsstärkere Teleskope aufgestellt werden. Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Forschung in der ISS sei daher ein anderer: 

"Das Interessante an der ISS ist tatsächlich vor allem, dass man dort ganz vielfältige Experimente machen kann – in der Schwerelosigkeit, im Umfeld der Mikrogravitation, und dann an den Extrembedingungen, die dort herrschen, 400 Kilometer von der Erdoberfläche entfernt, an der Grenze zum Weltraum, wo ganz geringe Dichten herrschen, wo es entweder sehr heiß ist oder sehr kalt. Das sind die spannenden Aspekte an der Internationalen Raumstation. Aber über das Universum in seiner unvorstellbaren Größe, über das, was die Astrophysiker vor allem interessiert, da – denke ich – ist die ISS eher der falsche Ort, um sich da die großen Erkenntnisse zu erhoffen."

Die Astrophysiker hingegen könnten solche Experimetne leider nicht machen, so Anderl. "Wir können nicht einfach dort hinfliegen in die ganz großen Weiten des Alls."  

(huc)

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